Biotechnologie
Warten auf den Durchbruch

Biotechnologie made in Germany ist ein mühsames Geschäft. Das werden in dieser Woche die neuen Geschäftszahlen zeigen. Rückschläge und die Finanzkrise lassen das Interesse der Investoren sinken. Dabei braucht die Branche dringend frisches Kapital.

FRANKFURT. Ein kleines Molekül, das wiederkehrende Schwellungen an Gesicht, Händen und Füßen verhindert, ist derzeit der Hoffnungsträger einer ganzen Branche. Denn wenn die Jerini AG aus Berlin in diesem Frühjahr die Zulassung für ihren Wirkstoff Icatibant bekäme, wäre das der ersehnte Beweis, dass Biotech made in Germany eben doch Erfolge bringt.

Das nämlich scheinen viele Anleger und Investoren nicht mehr richtig zu glauben, seit im vergangenen Sommer gleich bei zwei Wirkstoffen die Hoffnungen auf Milliardenumsätze jäh platzten. Die Aachener Firma Paion scheiterte im Juni mit einem Medikament gegen Schlaganfall in der klinischen Entwicklung und verlor innerhalb eines Tages mehr als zwei Drittel ihres Börsenwerts. Sieben Wochen später verweigerte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA dem Unternehmen GPC Biotech aus Martinsried die vom Markt eigentlich fest erwartete vorzeitige Zulassung für sein Krebsmittel Satraplatin. Die Aktie verlor einen Großteil ihres Wertes und hat sich seitdem nicht wieder erholt (siehe  Biotech-Werte im Fokus). Selbst Biotechfirmen mit zum Teil völlig anderen Geschäftsmodellen wie Evotec, Morphosys oder Medigene wurden zumindest kurzzeitig massiv abgestraft: eine Branche in Sippenhaft.

"Der Schock wirkt immer noch nach", meint Christian Lach von der Beteiligungsgesellschaft BB-Biotech. "Viele Anleger haben die Ereignisse als Bestätigung gesehen, dass Biotech in Deutschland als Investment eben nicht funktioniert, wie schon 2001, als die Aktienblase am Neuen Markt platzte. Die internationale Finanzkrise sorgt für einen zusätzlichen Dämpfer. Jetzt haben die Anleger kein großes Interesse mehr an Biotech", meint er.

Zu Unrecht, findet Julia Schüler, Industrieanalystin beim Wirtschaftsprüfer Ernst & Young und Autorin des jährlichen Biotechnologie-Reports. "Die Branche hat deutliche Fortschritte gemacht. Es gibt immer mehr Medikamente, die in der zweiten und dritten klinischen Phase getestet werden", sagt sie. In der zweiten von insgesamt drei klinischen Testphasen, die ein Medikament durchlaufen muss, werden die Medikamente erstmals am kranken Patienten getestet. Vergangenen Dienstag beispielsweise hat die Medigene AG ihren jüngsten Erfolg in der medizinischen Forschung gemeldet. Das Krebsmedikament EndoTAG-1 zeigt sich bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs als wirksam, es verlängert die Überlebenszeit der Patienten deutlich. Bis zu einer Marktzulassung stehen allerdings noch viele Studien an, und es dürften noch Jahre vergehen.

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