Blackout-Warnung
Netzagenturchef wirft Energiekonzernen Panikmache vor

Bundesnetzagentur-Chef Matthias Kurth wirft Energiekonzernen vor, Bürger aus politischem Kalkül aufzuschrecken. Seiner Einschätzung nach drohe in Deutschland kein Blackout.
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Hamburg/BerlinDer Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, sieht die Stabilität der Stromnetze durch das Atom-Moratorium der Bundesregierung nicht gefährdet und warnt vor Panikmache durch die Energie-Industrie. Die Debatte um einen Blackout durch das Abschalten der ältesten Meiler zur Sicherheitsüberprüfung werde „oft oberflächlich und interessengeleitet“ geführt, sagte Kurth „Spiegel Online“ am Sonntag. Zwar habe die Sorge um die Stabilität der Netze einen berechtigten Hintergrund, die Art der Debatte sei aber nicht hilfreich. „Jetzt in Panik zu verfallen, bringt nichts“, sagte Kurth. Die Angst vor Stromausfällen für die Interessen der Stromkonzerne zu nutzen, sei nicht zielführend. „Nach allem, was unsere Erhebungen ergeben haben, sind die Effekte des Moratoriums auf die Netze beherrschbar“, stellte Kurth klar.

Gleichwohl sei vorausschauendes Handeln nötig. So brachte der Behördenchef eine Verschiebung der Revision des Atomkraftwerks Brokdorf in Schleswig-Holstein in die Debatte, um einen Engpass in Norddeutschland im Sommer zu verhindern. Im Großraum Hamburg seien bereits die Meiler Krümmel und Brunsbüttel wegen Reparaturen vom Netz, das Atomkraftwerk Unterweser liege wegen des Atommoratoriums der Bundesregierung still. Sollte wie geplant der Reaktor Brokdorf im Juni zur Revision heruntergefahren werden, sei die Netzstabilität gefährdet, warnte Kurth. Denkbar sei es daher, die Revision zu verschieben. Der angepeilte Atomausstieg könne insgesamt nur gelingen, wenn der Bau moderner Kraftwerke, vor allem von Gaskraftwerken, beschleunigt werde, mahnte Kurth.

Die Bundesregierung strebt nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomkraftnutzung an und hat die ältesten Meiler zur Sicherheitsüberprüfung vom Netz genommen.

Keine dramatischen Auswirkungen auf den Strompreis

Kurth wandte sich auch gegen die Behauptung, der Atomausstieg werde einen dramatischen Preisanstieg zur Folge haben. „Die Auswirkungen des Moratoriums auf den Strompreis sind zurzeit nicht dramatisch.“ Seriöse Berechnungen zur Entwicklung in der Zukunft seien derzeit noch nicht möglich.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) legte dagegen eine Untersuchung vor, derzufolge der Strompreis bei einer dauerhaften Abschaltung der acht ältesten Meiler sowie einer Beschleunigung des Atomausstiegs bis 2018 um fast ein Drittel steigen würde.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was meinen Sie denn, was "erneuerbare Energien" sein sollen?
    Haben Sie schon was vom Energieerhaltungssatz gehört?

    Und was haben Sie gegen die Informationspolitik der Energieriesen? Meinen Sie etwa, die Informationspolitik der "erneuerbare Energien"-Lobby ist nicht uneigennützig?
    Gehen Sie mal auf eine Infoveranstaltung eines beliebigen Solarpanel-Herstellers. Der wird Ihnen den Mund wässrig machen, was es für tolle Einspeisevergütungen gibt, die Sie reich machen werden! Kurzum, wer Solar- und Windparks aufstellt, macht es in erster Linie, um sich den Profit auf Kosten der anderen Stromverbraucher zu sichern. Das ist reiner Eigennutz und hat mit dem vorgeschobenen Umweltgedanken nichts(!) zu tun.

  • Das grüne Jobwunder ist nur ein Märchen
    Die Grünen zwischen Utopie und Wirklichkeit

    Politiker verkaufen erneuerbare Energien als ''Jobmotor''. Dabei dürften Subventionen für Ökostrom mehr Arbeitsplätze vernichten als schaffen.
    Der designierte Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann (Grüne), hat immer auch die Wirtschaft und Arbeitsplätze seiner Heimat im Blick – selbst wenn es um so heikle Themen wie Atomkraft geht. „Was muss man da jetzt die alten Monopolisten stärken?'', fragte Kretschmann, nachdem sein Amtsvorgänger Stefan Mappus (CDU) für das Land Anteile am AKW-Betreiber EnBW gekauft hatte. „Die dynamischen Sektoren liegen ganz woanders'', kritisierte Kretschmann: „In dem Feld der erneuerbaren Energien liegen 300.000 Arbeitsplätze.''
    Mit seinem Glauben an das große Arbeitsmarktpotenzial der erneuerbaren Energien steht Kretschmann nicht allein. In dem an Landtagswahlen nicht armen Jahr 2011 vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Politiker das Lied vom „grünen Jobwunder'' anstimmt, das sich einstellen werde, wenn die Ökobranchen nur weiter genügend Fördergelder bekommen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) etwa wird nicht müde, die erneuerbaren Energien zu einem „Jobmotor für Deutschland'' zu erklären.
    Klimaschutz und Versorgungssicherheit haben als Rechtfertigung für üppige Ökostrom-Subventionen ausgedient: Im Wahljahr 2011 mit seinen sieben Landtagswahlen kommen Politiker beim Bürger mit dem Arbeitsplatz-Argument offenbar besser an. Nur: Ist am grünen Jobwunder überhaupt etwas dran? ..........................
    http://archiv.raid-rush.ws/t-777621.html

  • Die fragwürdigen Wahlversprechen der Grünen

    Die fragwürdigen Wahlversprechen der Grünenhttp://blog.br-online.de/report-muenchen/2011/02/21/die-fragwurdigen-wahlversprechen-der-grunen.html

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