BMW-Schmiergeldskandal
Ex-BMW-Einkäufer wegen Bestechlichkeit verurteilt

Ein ehemaliger Einkäufer des Autobauers BMW ist am Freitag vom Landgericht München wegen Bestechlichkeit zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

HB MÜNCHEN. Der 55-Jährige hatte gestanden, zwischen 2001 und 2005 von einem halben Dutzend Zulieferfirmen insgesamt 900 000 Euro Schmiergeld - in bar und Wertpapieren - angenommen zu haben. Im Gegenzug habe er Lieferanten vorab mit vertraulichen Informationen über BMW-Einkaufspläne versorgt oder sich für eine Auftragsvergabe an sie eingesetzt. Unter anderem habe er sich von der oberpfälzischen Firma Grammer und dem US-Hersteller Lear bestechen lassen. Er nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Der Verurteilte, der seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, war im Münchener Konzern zuständig für den Einkauf von Pkw-Innenausstattungen. Der Vorsitzende Richter Peter Noll wies BMW in der Urteilsbegründung eine gewisse Mitverantwortung zu. „Es ist zu berücksichtigen, dass es ihm durch eine nicht erfolgte Rotation eher leicht gemacht worden ist“, sagte er. Der Verurteilte war 13 Jahre lang an entscheidender Stelle für den Einkauf von Interieur-Teilen zuständig und pflegte über Jahre Kontakt zu den gleichen Vertretern der Lieferanten. Noll betonte zudem, dass der erhebliche wirtschaftliche Druck in der Zulieferbranche die Motivation einzelner Firmen erhöhe, zu unlauteren Mitteln zu greifen.

In den verhandelten Fällen hätten jeweils drei bis vier Firmen um einen Auftrag von BMW konkurriert. Allein eine Order für die Lieferung von Sitzen habe ein Volumen vom mehr als drei Mrd. Euro gehabt, sagte die Staatsanwältin Angela Thalheim unter Berufung auf BMW-Angaben. Die im Rennen um die Lieferung ausgeschiedenen Firmen seien auf ihren Entwicklungskosten sitzen geblieben. „Das ist ein erheblich großes Rad, das hier in eine bestimmte Richtung gedreht worden ist“, urteilte der Richter. „Leid tragend war nicht so sehr die Firma BMW, sondern viel mehr die Wettbewerber“, fügte er hinzu.

Dem Autobauer sei außer der Rufschädigung kein materieller Schaden durch das Verhalten des Einkäufers entstanden. Die schließlich angenommenen Angebote seien „optimiert und reell“ gewesen. BMW verlange dennoch Schadenersatz in Höhe der geflossenen Schmiergelder, sagte der Richter. Der Einkäufer ist nach eigenen Angaben ruiniert: Nahezu sein gesamtes Vermögen einschließlich der Bestechungssumme habe sich das Finanzamt als Steuerschuld geholt.

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