BMW-Welt
Kunden müssen zahlen, Besucher nicht

500 Millionen Euro Investition, vier Jahre Bauzeit und ein Vogel als Hauptdarsteller: Die minutiös durchkomponierte Eröffnung der BMW-Welt wurde am Mittwoch lediglich durch den Flug einer Taube gestört. Der Eintritt für die Öffentlichkeit ist frei. Kunden, die ihren Wagen abholen wollen, bekommen zusätzlich Essen und eine Werksführung, müssen aber tief in die Tasche greifen.

MÜNCHEN. Bis zur letzten Minute hatten die Bautrupps versucht, Dutzende der ungebetenen Gäste zu vertreiben, die es sich seit Wochen unter dem Hallendach bequem gemacht hatten – doch eine Taube blieb bis zur Zeremonie. „Ich werte das als gutes Omen“, sagte ein gutgelaunter BMW-Chef Norbert Reithofer vor mehreren tausend Gästen in München.

BMW-Manager haben ihr ambitioniertes Bauprojekt bereits scherzhaft mit dem Bau des Petersdoms in Rom verglichen, und in der Tat hat das neue Auslieferungszentrum des Konzerns etwas von einer Kathedrale. 15 000 Quadratmeter Glasfläche zieren die Außenfassade, ein schwindelerregender Doppelkegel und eine imposante freischwebende Dackkonstruktion sind das Markenzeichen der neuen Konstruktion.

275 Architketen hatten sich um das Projekt beworben, der Wiener Architekt Wolf D. Prix machte das Rennen. 850 0000 Besucher erwartet BMW jedes Jahr. BMW will das Gebäude multifunktional nutzen, doch neben Restuarants, Kongressen und Themenparks steht vor allem die Autoauslieferung im Mittelpunkt.

45 000 Autos pro Jahr wollen die Münchener durch ihren neuen Auslieferungstempel schleusen, jede einzelne solle ein Erlebnis werden, verspricht Vertriebschef Stefan Krause. 450 Euro zahlen die Kunden für die Auslieferung in der BMW-Welt, Werksführung und Mittagsessen inklusive. Eine Summe, die für BMW nicht kostendeckend ist. Zum Vergleich: Wer seinen neuen Mercedes direkt bei Daimler in Stuttgart oder Sindelfingen abholt, zahlt dafür keinen Cent. Bei VW müssen Selbstabholer pauschal 280 Euro berappen. Ein Besuch des Werks, ein Essensgutschein im Wert von 50 Euro und der Eintritt in die VW-Autostadt sind inklusive. Bei Porsche zahlen Selbstabholer rund 470 Euro, bei Audi in Ingolstadt sind es rund 300 Euro.

„Wir wollen eine prägende Erinnerung für die Besucher schaffen“, sagt Krause von BMW. Die Münchener hoffen, dass ihr neues Bauwerk den Markenwert von BMW noch einmal steigert. Denn taxiert Vertriebschef Krause auf derzeit 25 Milliarden Euro, die BMW-Welt zahle noch einmal auf die Marke ein. „Und Marken sind doch nichts anderes als kleine Immobilien der Erinnerung“, sagt Krause.

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