Boehringer Ingelheim
Pharmakonzern setzt auf Tierarzneien

Gute Geschäfte mit Arzneien für Tiere – Boehringer Ingelheim setzt 2017 voll auf seine neue Sparte. Das für mehrere Milliarden Euro zugekaufte Geschäft soll im laufenden Jahr einen deutlichen Umsatzanstieg bringen.
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IngelheimFür Deutschlands zweitgrößten Pharmakonzern Boehringer Ingelheim war 2016 ein Jahr des Umbruchs. Mit dem Verkauf seiner US-Generikatochter Roxane und einem großen Tauschgeschäft mit Sanofi hat das Familienunternehmen die größte Veränderung seit Jahrzehnten vollzogen. So erwarb Boehringer zum Jahresanfang 2017 für 11,4 Milliarden Euro die Tierarznei-Tochter Merial von Sanofi und gab seinen eigenen Geschäftsbereich Selbstmedikation für 6,7 Milliarden Euro an den französischen Pharmariesen ab.

Parallel zur Neuausrichtung kam der Pharmahersteller aber auch operativ gut voran. Er steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um gut sieben Prozent auf 15,9 Milliarden Euro und den Betriebsgewinn um etwas mehr als ein Viertel auf 2,9 Milliarden Euro, den mit Abstand höchsten Wert in der Firmengeschichte. Der Gewinn nach Steuern legte um 17 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro zu. Allerdings profitierte der Konzern dabei auch von Veräußerungsgewinnen von fast 600 Millionen Euro.

Für 2017 ist ein weiterer Umsatz- und Gewinnanstieg bereits vorgezeichnet. Alleine durch die Integration der Sanofi-Tierarznei-Sparte gewinnt Boehringer rund eine Milliarde Euro mehr an Umsatz, als der Konzern durch den Verkauf der Selbstmedikation verliert. Auch das Pharmageschäft soll weiter zulegen.

Durch die Transaktion mit Sanofi steigt das Familienunternehmen mit künftig etwas mehr als vier Milliarden Euro Umsatz in der Tiermedizin zur Nummer zwei in dem Segment auf, nach dem US-Konzern Zoetis. Ziel ist es, in dem Bereich weiter im hohen einstelligen Bereich zu wachsen und Marktanteile zu gewinnen. Insgesamt übernahm Boehringer mit Merial rund 7.000 Mitarbeiter, während im Gegenzug mit dem Verkauf der Selbstmedikation 2.500 Beschäftigte von Boehringer zu Sanofi wechselten. Die Gesamtbelegschaft von Boehringer dürfte damit auf mehr als 50.000 Mitarbeiter wachsen.

„Die strategische Neuausrichtung bietet eine gute Voraussetzung für weitere Innovationen und weiteres Wachstum“, zeigt sich Firmenchef Hubertus von Baumbach überzeugt. Und er verspricht: „Wir werden weiter nachhaltig investieren und werden weiter profitabel wachsen.“ Von Baumbach, ein Urenkel des Firmengründers, hat Mitte 2016 die Führung des Familienunternehmens übernommen.

Auch in den angestammten Geschäftsbereichen hat der Ingelheimer Konzern 2016 wieder Fahrt aufgenommen. Erstmals seit Jahren legten alle Sparten wieder stärker zu als die Branche. Die Humanpharma-Sparte, der mit Abstand wichtigste Bereich, steigerte ihre Erlöse um 7,5 Prozent auf rund 12 Milliarden Euro.

Das Geschäft mit Tiermedikamenten wuchs um 7,1 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro, der Bereich Selbstmedikation, der 2016 noch komplett in den Zahlen enthalten war, legte um 4,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu, in der biopharmazeutischen Auftragsproduktion steigerte Boehringer die Erlöse um gut sechs Prozent.

Vor zwei Jahren kämpfte Boehringer im Pharmageschäft mit einer gewissen Schwächephase aufgrund von Patentabläufen, wachsenden Preisdrucks bei Atemwegsmedikamenten und einer Klagewelle im Zusammenhang mit dem Blutverdünner Pradaxa. Diese Wachstumspause erscheint inzwischen überwunden.

Das Topprodukt Spiriva, ein Mittel gegen die sogenannte chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), verlor 2016 zwar 15 Prozent an Umsatz, nachdem das Patent in Europa ausgelaufen ist. Gleichzeitig verbuchte Boehringer aber kräftige Zuwächse von mehr als 50 Prozent mit seinen Diabetesmitteln.

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