Boeing/EADS
Kommentar: Kalte Füße

Nichts anderes als ein herber Rückschlag ist die Entscheidung des amerikanischen Rechnungshofs in Sachen Boeing/EADS. Der empfohlene Neustart des Vergabeverfahrens für die dringend benötigten US-Tankflugzeuge wirft einen Schatten auf die gerne postulierten hehren Ziele von Freihandel und freiem Wettbewerb. Die angeblichen Verfahrensfehler dürften nur vorgeschoben sein.

MÜNCHEN. Zwar bemängelt der Rechnungshof des US-Kongresses bislang nur vage Verfahrensfehler. Doch dass Boeing auf einmal noch eine zweite Chance bekommt, dürfte ganz andere Gründe haben. Gründe, die mit nationaler Sicherheit, mit Jobs und mit politischer Opportunität zu tun haben.

Denn das Angebot der Europäer für den Milliardenauftrag war nicht nur exzellent durchgerechnet, es war – glaubt man den vielen Experten – auch das qualitativ bessere. Und es hatte vom Pentagon den Zuschlag bekommen. Das war überraschend, weil es vom häufig gewählten Weg, US-Firmen zu bevorzugen, abwich. Im Sinne eines fairen Wettbewerbs war es ein Signal in die richtige Richtung. Die US-Regierung hatte Courage bewiesen – obwohl sie wissen musste, welchen Sturm der Entrüstung sie auslösen würde.

In den Medien wurde Stimmung gemacht gegen die Vergabe an den europäischen Verbündeten. EADS, die mit dem US-Konzern Northrop Grumman das Angebot abgaben, galten auf einmal als unzuverlässig, als schlecht für die nationale Sicherheit. Dem Pentagon wurde vorgeworfen, damit Jobs in den USA zu vernichten. Dass Boeing jedoch schlichtweg mit dem EADS-Angebot nicht mithalten konnte, blieb unerwähnt.

Das mediale Trommelfeuer scheint gewirkt zu haben. Der Rechnungshof hat kalte Füße bekommen und gegen das Vernünftige, aber für das Opportune entschieden. Und das ist schlecht für Markt und Freihandel.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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