Börsengang
Rosneft – Ein starkes Stück Kreml

Briten, Inder und Chinesen – sie alle sind am Börsengang des russischen Staatskonzerns Rosneft nächste Woche interessiert. Dass die Aktie alles andere als ein normales Investment ist, zeigt die bewegte Geschichte des Energieriesen.

MOSKAU. „Immer hat euch der Staat nur genommen, jetzt gibt er euch erstmals etwas zurück.“ Mit diesen Worten kündigt ein schmächtiger Rotschopf vor 14 Jahren Russlands bevorstehende Privatisierungswelle an. Der Mann heißt Anatolij Tschubais, ist damals Privatisierungsminister unter Boris Jelzin und während dessen zahlreicher Krankenhausaufenthalte der mächtigste Mann Moskaus.

Er hat reichlich Kombinate im Angebot, die er mit einer groß angelegten Privatisierungsaktion im eigentlichen Sinne des Begriffs unters Volk bringen möchte. „Wir mussten eine Rückkehr der Kommunisten an die Macht verhindern“, rechtfertigt Tschubais noch heute sein oft kritisiertes Vorgehen. Denn es ist weniger das Volk, das sich die Filetstücke der Industrie einverleibt, es sind die heute weltbekannten Oligarchen.

Dem Staat bleiben nur Ruinen, darunter Teile der Ölindustrie, für die sich damals niemand wirklich interessierte. Und die Jelzin erst per Ukas 1993 zum Rosneft-Konzern erklärt. Es ist die Geburtsstunde eines Unternehmens, das in diesen Tagen heftig die Kapitalmärkte bewegt und auch internationale Investoren lockt. Hat sich doch das einst marode Firmenkonglomerat längst zu einem durchaus prosperierenden Staatskonzern gewandelt. Und das hängt vor allem mit den enormen Öl- und Gasreserven des Unternehmens zusammen. In Zahlen: 18,9 Milliarden Barrel Öl (ein Barrel sind 159 Liter) betragen die Rosneft-Vorräte, damit ist Rosneft weltweit zum viertgrößten börsennotierten Energiekonzern hinter Gazprom, Exxon-Mobil und Lukoil aufgestiegen. Und die Unternehmensführung hat große Pläne. Aufsichtsratschef Igor Setschin, 45, verspricht: „Als staatlich kontrollierter Konzern wird Rosneft zum nationalen Champion der Öl- und Gasindustrie.“

Das Trommeln des Top-Managers hat einen guten Grund. Bis zum 10. Juli können Anleger die Aktien des Konzerns in einer Spanne zwischen 5,85 und 7,85 Dollar zeichnen. Insgesamt 14,3 Prozent der Anteile will der Staat als Mehrheitseigentümer über die Börsen in Moskau und London verkaufen und damit zwischen acht und elf Milliarden Dollar erlösen. Es ist der größte Börsengang in der Geschichte Russlands. Gehandelt werden sollen die Papiere ab Freitag nächster Woche, also ab dem 14. Juli, einen Tag bevor Russland beim G8-Gipfel in St. Petersburg erstmals den Vorsitz im Klub der großen Industrienationen übernimmt.

Seit die Zeichnungsfrist läuft, hat sich eine heftige Diskussion darüber entzündet, ob sich die Rosneft-Aktien zu einem lohnenden Investment entwickeln könnten. Die Ratingagentur Moody’s umschreibt Rosneft weitgehend neutral als „direkt vom Staat kontrollierten Öl- und Gaskonzern, der selbst durch Übernahmen groß geworden ist und weitere Wachstumsambitionen hegt“.

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