Brief an Banken
Schaeffler verteidigt Einmischung

Der fränkische Autozulieferer und Continental-Großaktionär Schaeffler hat seinen umstrittenen Brief an die Banken des Hannoverschen Unternehmens verteidigt. Es sei darum gegangen, Schaden von Conti und seinen Aktionären abzuwenden, sagte ein Schaeffler-Sprecher am Samstag.

HB BERLIN. Conti hatte sich am Freitag massiv beschwert, Schaeffler wolle mit dem Schreiben Einfluss auf seine Geschäftspolitik nehmen. Kreisen zufolge fordern die Franken eine Einbindung in Kreditgespräche von Conti mit seinen Banken.

Bankenkreise hätten Schaeffler informiert, dass Conti "Regelungen in Erwägung" ziehe, die bei Vollzug der Schaeffler-Offerte Conti und seinen Aktionären "erheblich schaden" könnten, sagte der Schaeffler-Sprecher. "Dies würde auch die Interessen von Schaeffler als Großaktionär direkt berühren. Mit unserem Schreiben vom 11.12 2008 wollten wir lediglich dem Risiko vorbeugen, dass solche Vereinbarungen getroffen werden." Schaeffler habe nicht die Absicht gehabt, Einfluss auf die Führung der Conti-Geschäfte zu nehmen. "Von einem Verstoß gegen den Geist der Investorenvereinbarung kann keine Rede sein", sagte der Sprecher.

Conti ging erstmals seit der Einigung über den Einstieg auf Distanz zum Großaktionär. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann zeigte sich "irritiert". "Dieser Schritt ist ein massiver Eingriff in die souveräne und unabhängige Geschäftsführung der Continental." Conti verhandelt mit seinen Banken über einen Zahlungsaufschub für seine elf Mrd. Euro Schulden. Für die Übernahme des Autoelektronikherstellers Siemens VDO hatte sich Conti bei 50 Banken einen Konsortialkredit beschafft. Nun will der Konzern neue Konditionen aushandeln, da die Absatzflaute den Schuldendienst erschwert. Conti geht davon aus, sich Anfang 2009 mit den Banken zu einigen.

"Das Vorgehen der Schaeffler Gruppe hat uns irritiert, weil diese damit unseres Erachtens eindeutig gegen den Geist der gemeinsam erarbeiteten Investoren-Vereinbarung verstößt", sagte Neumann. Noch habe Schaeffler nicht das Ruder nicht in der Hand, denn die EU-Kommission habe den Deal noch nicht freigegeben. Unabhängig davon habe sich Schaeffler in der im Sommer mit Conti geschlossenen Investorenvereinbarung verpflichtet, die nächsten vier Jahre maximal 49,99 Prozent der Aktien zu halten, die bisherige Strategie und Geschäftspolitik des Vorstands zu unterstützen und keine wesentlichen Strukturmaßnahmen zu verlangen.

Der Vorstoß ist Experten zufolge vor den finanziellen Hürden zu sehen, die Schaeffler meistern muss. Die Franken kommen auf 90 Prozent der Conti-Aktien und müssen dafür rund zehn Mrd. Euro zahlen. Derzeit ist kein Investor in Sicht, der die überschüssigen Aktien-Pakete abnehmen und die Schuldenlast von Schaeffler mindern könnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%