Brief an die Belegschaft
Dokumentation: Zetsche prophezeit „langen und harten Weg“

In einem Brief an die Mitarbeiter hat Mercedes-Chef Dieter Zetsche den geplanten Abbau von 8500 Stellen gerechtfertigt. Handelsblatt.com bildet das Dokument ungekürzt ab.

Liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,

seit Wochen schon kursieren Gerüchte um einen möglichen Personalabbau bei der Mercedes Car Group. Gerade eben sind hierzu Entscheidungen getroffen worden. Ich möchte Sie mit diesem Brief über diese Entscheidungen informieren, bevor Sie sie aus anderen Quellen erfahren.

Der Vorstand der DaimlerChrysler AG hat ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das einen Stellenabbau an den deutschen Standorten der Mercedes Car Group vorsieht. Insgesamt sollen 8500 Stellen abgebaut werden. Dies wird durch Ausscheidensvereinbarungen geschehen, und zwar auf freiwilliger Basis. Der Aufsichtsrat hat soeben den Vorstand ermächtigt, die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen.

Natürlich hätten wir uns alle gewünscht, die Mercedes Car Group wieder fit zu machen, ohne zu solchen Maßnahmen greifen zu müssen. Die MDG-Geschäftsleitung hat in den vergangenen Monaten wirklich alle Möglichkeiten untersucht. Vieles wurde auch bereits umgesetzt und zeigt erste Erfolge. Wir konnten im vergangenen Quartal mit einem leicht positiven Ergebnis die Trendwende erzielen. Die Qualitätsverbesserungen werden inzwischen auch in externen Studien bestätigt. Die Absatzzahlen entwickeln sich positiv.

Das alles darf uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch ein langer und harter Weg vor uns liegt, bis die Mercedes Car Group wieder wirklich wettbewerbsfähig ist. Unsere Kosten liegen in allen Teilen der Wertschöpfungskette deutlich über denen der besten Wettbewerber. Und wir haben Kapazitäten, die angesichts der aktuellen Markt- und Wettbewerbssituation deutlich zu hoch sind. Natürlich haben wir bei den Kosten schon Fortschritte erzielt. Und unsere neuen Produkte kommen bei den Kunden hervorragend an. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir unsere Kapazitäten – und damit unsere Beschäftigtenzahl – entsprechend anpassen müssen.

Wir haben deshalb in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat geführt und gemeinsam Maßnahmen erarbeitet, wie wir den erforderlichen Abbau sozialverträglich gestalten können. Wir haben dies selbstverständlich im Rahmen der im vergangenen Jahr getroffenen Vereinbarungen zur „Zukunftssicherung 2012“ getan, die in einem ersten Schritt bei Personalanpassungsbedarf Freiwilligkeit vorsieht. Gleichwohl ist der Personalbabbau unumgänglich. Neben Abfindungsangeboten, die sich nach Alter und Dauer der Betriebszugehörigkeit richten, wird auch Unterstützung bei der Beschäftigungssuche oder Existenzgründung angeboten. Sie werden in den nächsten Tagen detaillierte Informationen zu den einzelnen Angeboten erhalten.

Ich versichere Ihnen, wir haben alles getan, um diese für alle schwierige Situation so akzeptabel und fair wie möglich zu gestalten. Wir würden diesen Schritt nicht tun, wenn er nicht unbedingt erforderlich wäre. Wenn wir die eingeleiteten Maßnahmen konsequent umsetzen, um Effizienz und Produktivität in allen Bereichen weiter zu steigern, und unsere produkt- und Qualitätsoffensiven fortsetzen, dann wird es uns gelingen, den Stern zu altem Glanz zurückzuführen. Dass wir das schaffen werden, auch in einem zunehmend schwierigeren Wettbewerbsumfeld, davon bin ich fest überzeugt.

Ihr
Dieter Zetsche

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