Bundeswehr kritisiert Waffenhersteller
Heckler & Koch kämpft um seinen Ruf

Die Bundeswehr hat die Sturmgewehre von Heckler & Koch praktisch für untauglich erklärt. Für den Waffenhersteller kommt das einer Demontage gleich. Und so tritt das Unternehmen den harten Vorwürfen umso härter entgegen.
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Berlin, DüsseldorfRüstungskonzerne sind Kritik grundsätzlich gewohnt. Das liegt in der Natur ihrer Produkte: Waffen, Waffensysteme, Kriegsgerät. Bewaffnete Konflikte waren schon seit jeher ein gutes Geschäft für Industriekonzerne, vom Maschinenbauer bis zum Stahlhersteller. Ethische Einwände sind für die Konzerne Alltag. Doch Zweifel an der Qualität der Waren? Gab es kaum. Auch für Rüstung galt „Made in Germany“ als Qualitätsmerkmal.

Die Ausrüstungsdebakel bei der Bundeswehr, denen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen immer hartnäckiger zu Leibe rückt, wirft allerdings ein anderes Licht auf eine Branche, die vor allem von Exporten gut lebt. Jüngstes Beispiel: Der Bund deklarierte nach einer Jahre dauernden Untersuchung die Dienstgewehre des Heeres, das G36, für untauglich. Im Visier der Kritik: Hersteller Heckler & Koch (HK).

„Das G36 hat offenbar ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen, aber auch im heißgeschossenen Zustand“, erklärte die Verteidigungsministerin am Montag. In den Einsätzen etwa in Afghanistan und im westafrikanischen Mali soll das Sturmgewehr nun nur noch eingeschränkt genutzt werden. Von der Leyen schließt auch nicht aus, dass es mittelfristig ganz aus dem Verkehr gezogen wird. Für Heckler & Koch ist das ein Desaster.

Entsprechend entschieden tritt das Unternehmen auf. Die eigenen Prüfungen der Waffe widersprächen der Darstellungen der Ministerin „diametral“. Es hätten sich „bei sachgerechtem Gebrauch keine maßgeblichen Einschränkungen der Einsatztauglichkeit, insbesondere auch im Vergleich zu anderen Sturmgewehren, ergeben“, erklärte das Unternehmen in Oberndorf (Baden-Württemberg). „Bedauerlicherweise“ habe die Bundeswehr die Firma nicht in ihre Untersuchungen eingebunden.

Schadenersatzzahlungen an das Verteidigungsministerium schließt der Konzern folglich auch ausdrücklich aus. Die Güteprüfstelle der Bundeswehr habe jedes einzelne der 178.000 an die Truppe gelieferten Gewehre abgenommen, teilte die Firma aus Oberndorf am Dienstag mit. „Insofern sind jegliche Erwägungen bezüglich einer Mängelgewährleistung sachlich und juristisch verfehlt.“

Das Unternehmen kämpft um seinen Ruf: „Wir sind erschüttert über die in den vergangenen Tagen vom Bundesministerium der Verteidigung getätigten Aussagen zum Gewehr G36“, erklärte Heckler & Koch. „Insbesondere bedauern wir außerordentlich, dass das Ministerium vor der letzten öffentlichen Stellungnahme mit weitreichenden Folgen für unsere technische Reputation nicht im Vorfeld das Gespräch mit Heckler & Koch gesucht hat.“

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