Cerberus übernimmt Chrysler-Mehrheit
Daimler weint US-Sparte keine Träne nach

Was für eine Woche für Stuttgart. Am Samstag greift der VfB nach der Meisterschale. Am Sonntag holen die Silberpfeile Platz zwei und drei beim der Formel-1 in Barcelona – und am Montag wird Daimler endlich wieder Daimler. Es wirkt wie der ersehnte Befreiungsschlag, doch es ist ein Sieg ohne Glanz. Warum der Deal auf ein Nullsummenspiel hinausläuft.

FRANKFURT/STUTTGART. Daimler ist den Klotz Chrysler endlich los, mitsamt dessen milliardenschweren Pensions- und Gesundheitsverpflichtungen. „Wir haben alle Risiken für Daimler eliminiert“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Freude ist ihm auf der Pressekonferenz am Montag in Stuttgart nicht anzumerken – eher schlichte Erleichterung. „Vielen Dank für die vergangenen Monate – und die letzten 40 Minuten“, sagt Zetsche zu Cerberus-Chef John W. Snow bei der Verabschiedung.

„Das ist ein Befreiungsschlag. Aber er kommt reichlich spät, nachdem Chrysler viel Zeit und Geld gekostet hat“, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Nach dem verlustreichen Engagement bei Mitsubishi Motors wäre damit auch der zweite große Problemfall des Autokonzerns gelöst, sagte Robert Heberger von Bankhaus Merck Finck & Co. Die aus der Trennung von Chrysler resultierende Belastung des Nettogewinns von drei bis vier Mrd. Euro im laufenden Jahr könne Daimler gut verkraften. Der neue Konzern, der Daimler AG heißen soll, komme ohne die US-Tochter auf eine Eigenkapitalquote von 40 Prozent und eine Nettoliquidität von 9,9 Mrd. Euro.

Doch ohne Chrysler muss sich Daimler-Chef Dieter Zetsche nun nach neuen Perspektiven für den Konzern umschauen, der im Wesentlichen noch aus der Premiummarke Mercedes, dem größten LKW-Bauer der Welt und einem profitablen Finanzgeschäft besteht. Die Ankündigungen des Managements dazu sind bisher eher vage. Weiteres Wachstum im Kerngeschäft sowie die Erschließung regionaler Marktchancen deutet Zetsche als Zukunftsfelder an.

Dazu die Ausweitung der Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette. Kooperationen mit anderen Herstellern werde es nur projektbezogen geben, sagt Zetsche und legt die Zeit großer Zukäufe damit ad acta. „Wir wollen der weltweit führende Hersteller von Premium-Fahrzeugen und Premium-Services sein“, gibt Zetsche die neue Devise aus. Der Autokonzern strebt nach internen Planungen bis 2009 fast eine Verdoppelung der operativen Umsatzrendite an. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen sieht die Mittelfristplanung vor, die Marge von derzeit 3,6 Prozent in drei Jahren auf sechs Prozent zu erhöhen. Denn neun verflixte Jahre mit Chrysler haben das Unternehmen nicht vorangebracht.

Nun ist Daimler auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Zeit, die die Konkurrenz nicht ungenutzt hat verstreichen lassen. Noch vor 20 Jahren hielt BMW ehrfürchtig Abstand zu den Stuttgartern, und auf den Hutablagen von Audi-Fahrzeugen sonnten sich die gehäkelten Schoner der Klopapierrollen. Heute agieren BMW und Audi auf Augenhöhe mit den Schwaben. In den vergangenen beiden Jahren setzten die Bayern sogar mehr Premiumfahrzeuge ab als Mercedes. Der Wettbewerb im Premiumsegment ist schärfer geworden, auch wenn Branchenexperten Mercedes immer noch als stärkste Premium-Marke ansehen.

Seite 1:

Daimler weint US-Sparte keine Träne nach

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%