Chemie
BASF kappt das Investitionsbudget

Der Chemiekonzern will Investitionsentscheidungen in die Zukunft verlagern. Damit reagiert die BASF auf den Einbruch der Nachfrage, eine schwache Anlagenauslastung und Unsicherheiten im CO2-Emissionshandel. Zwar ist seit kurzer Zeit eine neue Anlage für Zwischenprodukte in Betrieb. Ein Betrieb zur Kohlevergasung soll dagegen komplett wegfallen.
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FRANKFURT. Die BASF bremst ihre Sachinvestitionen im Stammwerk Ludwigshafen. Momentan bewegen sich die Ausgaben zwar noch auf hohem Niveau. Planungen für neue Projekte hat der Chemiekonzern in den vergangenen Monaten aber bereits zurückgefahren. Das erklärte Vorstandsmitglied Harald Schwager gestern bei der Einweihung einer neuen Anlage für Zwischenprodukte. "Investitionsentscheidungen werden eher in die Zukunft verlagert", sagte Schwager, der im BASF-Vorstand unter anderem für die europäischen Verbundstandorte zuständig ist und das Ludwigshafener Werk leitet.

Der Chemiekonzern reagiert damit auf den Einbruch der Nachfrage, eine schwache Anlagenauslastung sowie Unsicherheiten im Rahmen des CO2-Emissionshandels. Angesichts erheblicher Überkapazitäten in vielen Bereichen haben auch andere Chemiekonzerne in jüngerer Zeit ihre Investitionen gedrosselt. Im Falle BASF ist das prominenteste Opfer bisher eine geplante Anlage zur Kohlevergasung.

Milliardenprojekt zu den Akten

Dieses potenzielle Milliardenprojekt hat der Konzern komplett zu den Akten gelegt. Und die Chance, dass man es reaktiviere, sei äußerst gering, sagte Schwager. Als Grund für das Aus nennt er mögliche Kostenbelastungen aus dem Kauf von Emissionsrechten, die ab 2012 fällig werden könnten.

Das Ludwigshafener BASF-Stammwerk mit seinen rund 32 000 Beschäftigten, mehr als 200 Einzelfabriken und gut 17 Mrd. Euro Jahresumsatz, ist der Kern der BASF und bestreitet rund ein Drittel der globalen Chemiegeschäfts des Chemiekonzerns. Die bisherige Planung sieht für Ludwigshafen Sachinvestitionen von 1,5 Mrd. Euro in den Jahren 2009 bis 2011 vor, was etwa 25 Prozent der konzernweiten Investitionen entspricht.

Inwieweit diese Pläne bereits gekürzt wurden, ließ Schwager gestern offen. Das Gros der Anlagen, die sich derzeit in Bau befinden oder in Betrieb gehen, dürfte noch auf Investitionsentscheidungen in den Boomjahren 2006 bis 2008 beruhen. Das BASF-Hauptwerk erwies sich bisher als hocheffizienter Investitions-Standort, weil man hier die Chemieproduktion intensiv vernetzen kann und über das umfangreichste Know-how im Bau und Betrieb von Chemieanlagen verfügt.

Diese Qualitäten haben sich nach Worten Schwagers auch bei der jüngsten Neuanlage bewährt. Die mehr als 100 Mio. teure Investition fertigt die Zwischenprodukte CDon und CPon und ist seit gestern in Betrieb. Die Vorprodukte für Aromastoffe und Hochleistungs-Kunststoffe werden von BASF bisher nicht produziert.

In der Neuanlage kann der Konzern nach eigenen Angaben jedoch dank eines innovativen Herstellverfahrens erstmals das klimaschädliche Abfallprodukt Lachgas direkt für die chemische Synthese nutzen und damit die beiden Zwischenprodukte zu global wettbewerbsfähigen Konditionen produzieren. Geliefert werden die Substanzen von Ludwigshafen aus auch in den asiatischen Raum. Hauptabnehmer ist die Schweizer Ems Chemie.

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