Chemiebranche
BASF: Alle zehn Jahre ein Ertragstal

Die Chemieindustrie und mit ihr Branchenführer BASF erleben derzeit einen beispiellosen Konjunktureinbruch. Sowohl die Geschwindigkeit als auch das Ausmaß des Nachfragerückgangs sind völlig ungewohnt für die Branche. Die Ertragsentwicklung von BASF fügt sich jedoch in ein zyklisches Muster, das sich bis in die 70er-Jahre zurückverfolgen lässt.

FRANKFURT. Alle neun bis zehn Jahre muss sich der Ludwigshafener BASF-Konzern durch ein Ertragstal kämpfen. Tiefpunkte markierten die BASF-Gewinne während der vorangegangenen Schwächephasen jeweils in den frühen achtziger und neunziger Jahren sowie im Jahr 2001, wenn man den in diesem Jahr erzielten Sondergewinn aus dem Verkauf der Pharmasparte des Konzerns ausklammert.

Extrapoliert man diesen Trend, müssen sich die Aktionäre des Konzerns zunächst auf weitere Gewinnrückgänge einstellen. Der Tiefpunkt wird danach 2010, möglicherweise sogar erst 2011 erreicht und durchschritten.

Der stetige Rhythmus der BASF-Erträge erscheint umso bemerkenswerter, als der Konzern seine Strukturen in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gewandelt hat. Er reduzierte seine Abhängigkeit vom Geschäft mit chemischen Standardprodukten erheblich und stärkte die Position bei höher veredelten Spezialprodukten wie Pflanzenschutz, Bauchemikalien, Pigmenten oder Katalysatoren. Der BASF-Konzern ist dadurch weniger anfällig geworden für die klassischen Zyklen des Chemiegeschäfts, die vor allem durch starke Preis- und Margenschwankungen bei Basischemikalien, aber nicht unbedingt durch starke Mengenrückgänge geprägt waren.

Offenbar spielen darüber hinaus aber auch zyklische Bewegungen in den Abnehmerindustrien eine erhebliche Rolle, die sich derzeit auf völlig ungewöhnte Weise akkumulieren. Dem kann sich BASF trotz des Konzernumbaus der vergangenen Jahre nicht entziehen. Der Gewinn unterliegt damit weiterhin erheblichen Schwankungen. Angesichts der extremen Situation dürfte es dem Konzern im laufenden Jahr sehr schwer fallen, das ausgegebene Ziel einer Ebitda-Rendite von mindestens 14 Prozent im Konjunkturtal zu erreichen. Und im reinen Chemiegeschäft, also ohne Öl- und Gas, dürfte der Konzern derzeit auch seine Kapitalkosten nicht verdienen.

Allerdings kann sich das Management zugute halten, dass man das Spitzenniveau in den Boomphasen im Laufe der vergangenen beiden Jahrzehnte deutlich nach oben verschoben hat. Der Gewinn und vor allem auch der freie Cash-Flow des Ludwigshafener Konzerns schwanken um eine steigende Trendlinie, wobei der Cash-Flow dem Gewinn um etwa ein Jahr vorausläuft. Das gibt insofern Hoffnung , als der Konzern hofft, den freien Cash-Flow 2009 auf Vorjahresniveau zu halten.

Zudem schneidet der Konzern im Langfristvergleich deutlich besser ab als etwa seine US-Konkurrenten Dow und Dupont. Deren Betriebsgewinne lagen im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent unter dem Niveau von 1990, während BASF im gleichen Zeitraum um den Faktor drei zulegte.

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