Containerunterkünfte für Flüchtlinge
„Kommunen haben für Qualität oft zu wenig Geld“

Die Kommunen brauchen dringend neuen Wohnraum für Asylbewerber. Gefragt sind kurzfristige Lösungen: Containerhersteller machen ein gutes Geschäft. Im Interview wirbt ein Hersteller dennoch für langfristige Lösungen.
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Torsten Höfer ist Mitglied der Geschäftsführung der Firma Kleusberg, einem Hersteller von Wohncontainern aus Wissen in Rheinland-Pfalz. Im Interview erzählt er, wie das Geschäft mit Flüchtlingsunterkünften funktioniert, und wo es Probleme gibt.

Herr Höfer, der Städte- und Gemeindebund rechnet in diesem Jahr mit mindestens 450.000 Asylbewerbern. Für sie suchen Bürgermeister in den Gemeinden händeringend nach Unterkünften – und investieren mitunter auch in Wohncontainer-Siedlungen. Ein einträgliches Geschäft für Sie als Hersteller?
Die Nachfrage an Wohnunterkünften für Flüchtlinge war bereits im vorigen Jahr in gewissem Umfang gegeben. In diesem Jahr legt dieser Bereich aber noch einmal kräftig zu. Dass der stärkere Flüchtlingsstrom die Auslastung in unserer Branche erhöht, ist daher nicht von der Hand zu weisen. 2014 belief sich unser Umsatz auf 135 Millionen Euro. Aber auf das eigentliche Produkt bezogen stellen wir ein Umdenken bei den Kommunen fest.

Was bedeutet das?
Unsere Kunden im Asylbereich – also Städte, Gemeinden und deren Eigenbetriebe – bauen immer öfter Unterkünfte für eine dauerhafte Nutzung. Falls die Gebäude irgendwann nicht mehr für Flüchtlinge gebraucht werden, können sie beispielsweise als Wohnungen für Studenten dienen. Und da liegen wir mit unserer Modulbauweise, die zum einen von der Qualität her mit dem konventionellen Bauen vergleichbar ist, aber zum anderen in deutlich kürzeren Bauzeiten fertiggestellt wird, absolut im Trend. Diese Art des Bauens darf aber nicht mit den landläufig bekannten Containerdörfern oder Baracken verwechselt werden. Containerlösungen sehen wir als günstigere temporäre Lösung für maximal zwei Jahre. Wenn diese Nutzungszeit überschritten wird, sollte die von der Technik her bessere Modulbauweise zum Einsatz kommen.

Wie ist Ihre Auftragslage?
Unsere vier Produktionsstätten sind voll ausgelastet. Deshalb werden unsere mehr als 500 eigenen Beschäftigten derzeit noch von einem fast ebenso großen Mitarbeiter-Pool von Nachunternehmern unterstützt. Bundesweit errichtet Kleusberg in diesem Jahr voraussichtlich mehr als 26.500 Quadratmeter Gebäudefläche, die zur Flüchtlingsunterbringung genutzt werden.

In welchen Städten?
In Essen im Ruhrgebiet entsteht derzeit eine neue Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Dabei handelt es sich um zehn Wohn- sowie ein Verwaltungsgebäude mit einer Fläche von insgesamt 13.000 Quadratmetern. In Stuttgart haben wir bereits acht Gebäude fertiggestellt. Auch in Ludwigsburg, Haan, Memmingen, Neustadt, Wolfsburg und München entstehen gerade Unterkünfte von Kleusberg.

Was kostet ein Wohncontainer und eine ganze Siedlung im Schnitt?
Kleusberg bietet zum Kauf nicht den klassischen Container an, sondern vielmehr Gebäude auf Niveau des konventionellen Bauens. Daher sind auch die Preise vergleichbar, sie liegen je nach Ausstattung bei 800 bis 1.100 Euro je Quadratmeter.

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„Einfache Containerlösungen bereits für knapp 500 Euro“

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