Cromme geht
VW bebt unter Machtkampf

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch lässt die Muskeln spielen. Er sicherte Porsche großen Einfluss im Konzern, er drückte den neuen Personalvorstand durch, er obsiegte gegen Ministerpräsident Christian Wulff und nun hat er auch noch einen prominenten Aufsichtsrat vergrault. Dabei bräuchte VW dringend Ruhe.

hz FRANKFURT. Der Corporate-Governance-Experte und frühere Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme zieht sich angesichts des Hickhacks an der Spitze aus dem Kontrollgremium des Wolfsburger Autobauers zurück. „Das Mandat von Herrn Cromme läuft mit der Hauptversammlung am 3. Mai 2006 aus, und er wird es nicht verlängern“, bestätigte ein Thyssen-Krupp-Sprecher.

Der offene Streit im Führungszirkel trifft den Konzern in einer empfindlichen Phase. Neben der Korruptionsaffäre belasten besonders die dramatisch gesunkenen Verkaufszahlen das Unternehmen. Durch Kostensenkungen in Milliardenhöhe und einen höheren Absatz vor allem in Europa schien VW gerade allmählich den Weg aus der Krise gefunden zu haben. Nach neun Monaten hatte Europas größter Autohersteller bereits das Ergebnis des Vorjahres übertroffen. Wie groß die Probleme nach wie vor sind, zeigt allerdings, dass die Kernmarke VW in den ersten neun Monaten dieses Jahres rote Zahlen schreibt.

Eine Führungskrise im Kontrollgremium könnte nun dringende Entscheidungen verzögern und den eingeschlagenen Sanierungskurs möglicherweise torpedieren, befürchten Experten. Ein Auto-Analyst sprach von einem „beunruhigenden Signal“. VW will bis 2008 konzernweit rund 10 Mrd. Euro einsparen und die vergleichsweise hohen Kosten drastisch senken. Bis Ende 2008 soll das konzernweite Vorsteuerergebnis um vier Mrd. Euro verbessert werden.

Der Abgang von Cromme ist möglicherweise nur Auftakt für ein größeres Stühlerücken im Aufsichtsrat. 2006 muss die Hauptversammlung weitere drei der zehn Mandate der Kapitalseite verlängern. So gilt neben Cromme auch Eon-Vorstand Hans Michael Gaul, dessen Vertrag als VW-Aufsichtsrat mit der Hauptversammlung ausläuft, als ein großer Kritiker des Führungsstils von Piëch, der als autoritär gilt und dem häufige Alleingänge nachgesagt werden.

Porsche dürfte es damit leichter fallen als zunächst erwartet, die mindestens zwei beanspruchten Plätze im Aufsichtsrat schnell zu besetzen. Als erster Vertreter des Sportwagenherstellers wird voraussichtlich Vorstandschef Wendelin Wiedeking als einfaches Mitglied in den VW-Aufsichtsrat einziehen. Wiedeking konnte gestern bei Porsche den elften Rekordgewinn in Folge verkünden und will die Dividende erneut erhöhen. Porsche verdiente in dem im Juli beendeten Geschäftsjahr 2004/05 nach Steuern 779 Mill. Euro.

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