Dank steigender Weltmarktpreise optimistisch
Südzucker will zu alter Stärke zurückfinden

Europas größter Zuckerhersteller Südzucker sieht die von der EU durchgesetzte Marktreform ausgestanden und erwartet steigende Weltmarktpreise aufgrund ausgefallener Ernten. Für die Zukunft setzt Südzücker auf Biokraftstoff, Tiefkühlpizzen und Stärke.

HB FRANKFURT. "Jetzt werden wir zu unserer alten Ergebnisstärke zurückkehren", sagte Vorstandschef Theo Spettmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Dabei hilft uns die Verknappung auf dem Weltmarkt." Er rechne mit einem Anstieg der weltweiten Zuckerpreise infolge schlecht ausgefallener Ernten in Asien. "Zucker kann nicht verramscht werden."

Im regulierten Markt innerhalb der Europäischen Union erwartet Südzucker keine Belastungen mehr für das Ergebnis. Die von der EU im Oktober geplante zweite Senkung der Zuckerpreise gleiche der Konzern durch Kostensenkungen aus, sagte Spettmann. Hinzu komme, dass die Kosten des Konzernumbaus im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 nicht mehr ergebniswirksam würden. Da die EU auch eine Senkung der Zuckermenge angeordnet hatte, die in Europa über dem Weltmarkpreis verkauft werden kann, schloss Südzucker Spettmann zufolge europaweit 14 Werke.

Da der Marktführer im Zuckergeschäft aus kartellrechtlichen Gründen an seine Wachstumsgrenzen stößt, baut er die unter dem Namen "Spezialitäten" gebündelte Produktion von Biokraftstoff, Tiefkühlpizza und Stärke aus. "Das Geschäftsfeld Spezialitäten entwickelt sich sehr gut", sagte Spettmann. Wachstumsträger seien besonders das Stärke-Geschäft, das Nahrungs-, Papier- und Textilindustrie beliefert, und die Bioethanol-Produktion, die vor allem von der börsennotierten Tochter CropEnergies betrieben wird. "Bis zum Jahr 2011/2012 wollen wir die Hälfte unseres Umsatzes in Nicht-Kerngeschäften machen", sagte der Konzernchef, der sein Amt in diesem Jahr aus Altersgründen an den Südzucker-Manager Wolfgang Heer abgibt.

Die Rezession wirft Spettmann zufolge Licht und Schatten auf das Konzerngeschäft. "Die Leute suchen verstärkt nach qualitativ guten und preiswerten Produkten", sagte der Vorstandssprecher. "Das wirkt sich positiv auf die Nachfrage nach unseren Pizza-Handelseigenmarken aus." Die Konzerntochter Freiberger, nach eigenen Angaben Europas größter Tiefkühlpizzahersteller, produziert etwa unter der Marke "Alberto". "Indirekt spüren wir aber auch die negativen Seiten der Rezession, weil unsere Kunden vorsichtiger disponieren", räumte Spettmann ein.

Der im Nebenwerteindex MDax gelistete Konzern will seine Bilanz für das im Februar abgelaufene Geschäftsjahr 2008/09 am 27. Mai vorlegen. Im Januar hatte der Vorstand sein Ziel bekräftigt, bei einem Umsatz von 5,8 bis 6,0 Mrd. Euro einen operativen Gewinn von 230 bis 260 Mio. Euro einzufahren. Im Jahr zuvor hatten sich der Umsatz auf 5,8 Mrd. und das operative Ergebnis auf 233 Mio. Euro belaufen.

Auch der Wiener Frucht-, Zucker- und Stärkekonzern Agrana, an dem Südzucker beteiligt ist, hat jüngst im Reuters-Interview seine Ebit-Einschätzung für das ebenfalls im Februar abgelaufene Geschäftsjahr bekräftigt. Für 2009/2010 erwartet Agrana allerdings wegen schrumpfender Märkte ein Betriebsergebnis (Ebit) am unteren Ende der Prognosespanne.

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