Defekte Airbags
US-Senatoren nehmen Takata ins Visier

Ein geplatzter Seitenairbag in einem VW könnte den japanischen Airbag-Lieferanten teuer zu stehen kommen. US-Politiker fordern den Rückruf aller Autos mit Takata-Produkten. Auch Toyota zieht offenbar Konsequenzen.
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TokioEin geplatzter Seitenairbag in einem Volkswagen Tiguan bringt den japanischen Autozulieferer Takata noch mehr unter Druck. Explodierende Front-Airbags des Herstellers hatten bereits zum größten Rückruf der Autogeschichte geführt. Doch nach dem neuen Zwischenfall fordern zwei Senatoren in den USA, sofort alle Autos mit Takata-Airbags zurückzurufen.

In einem Brief an Takatas Vizechef für Nordamerika, Kevin Kennedy, warfen die Senatoren Richard Blumenthal und Erward Markey dem Unternehmen vor, dass der neue Zwischenfall Takatas Beteuerungen untergrabe, dass die Probleme sich auf ältere Modelle und sehr schwüles Klima beschränkten.

Doch der neue Fall passierte nicht nur in einem relativ neuen Auto, sondern auch in Missouri und damit außerhalb der Gebiete, in denen die meisten Airbag-Zwischenfälle auftraten. Bislang sind acht Menschen von umherfliegenden Metallteilen getötet, mehr als hundert verletzt worden.

Für Takata kommt der Vorstoß der US-Politiker zu einem kritischen Zeitpunkt. Weltweit sind bereits mehr als 50 Millionen Autos von den Rückrufen betroffen, mehr als 30 Millionen allein in den USA. Denn Takata ist einer der wichtigsten Airbag-Lieferanten. Die Kosten für den Rückruf hatten den Zulieferer 2014 bereits in die roten Zahlen gedrückt.

Und der finanzielle Puffer ist dünn und kann neue Kosten kaum abfedern. Im ersten Quartal seines seit April laufenden Bilanzjahres 2015 kehrte das Unternehmen zwar in die Gewinnzone zurück. Aber der Reingewinn war mit 3,1 Milliarden Yen (22 Millionen Euro) nur mager.

Noch sind weitere Rückrufe nur ein Risiko. Bislang sieht Takata keine Verbindung zwischen den Front- und Seitenairbags. „Takata untersucht die Ursache für die Fehlfunktion des Inflators am 7. Juni, von dem wir glauben, dass er ohne Bezug zu vorhergehenden Rückrufen ist“, teilte Takata dem Handelsblatt mit. Man arbeite eng mit der US-Verkehrsbehörde und dem Autohersteller zusammen.

Doch um dem wachsenden Druck zu begegnen, verstärkt Takata das politische Lobbying in den USA. Im vergangenen Jahr erhöhten die Japaner ihre Lobby-Ausgaben um 22 Prozent. Laut Dokumenten, die das Unternehmen beim US-Senat einreichte, zahlte Takata 390.000 US-Dollar an die international tätige Rechtsanwaltskanzlei und Lobbyanbieter Squire Patton Boggs. Denn in den USA sind Rückrufe nicht nur am stärksten politisiert. Auch ist der mögliche finanziellen Schaden durch Strafgelder der Behörden und Schadensersatzklagen am höchsten.

Der japanische Autobauer Toyota zieht Konsequenzen aus dem bislang weltgrößten Rückruf im Autosektor und sucht sich offenbar eine Alternative zuTakata. Der größte japanische Autokonzern werde beim kleineren Takata-Rivalen Nippon Kayaku mehr als 13 Millionen Airbag-Gasgeneratoren bestellen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Toyota habe im vergangenen Monat angefragt, ob eine Produktionsausweitung möglich sei, so dass Lieferungen von Nippon Kayaku ab Juli 2016 bis 2020 erfolgen könnten.

Toyota überwies 2014 nach Strafgeldern in zweistelliger Millionenhöhe 1,2 Milliarden US-Dollar, um ein Verfahren wegen vermeintlicher Qualitätsprobleme einzustellen.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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