Demonstrationen in Brüssel
Tausende gehen gegen VW auf die Straße

Der Gegenwind für VW ist beträchtlich: Mehrere Kilometer lang war der Protestzug, der am Samstagnachmittag durch die belgische Hauptstadt zog. Weit über 10 000 Menschen demonstrierten gegen die Verlagerung der Golf-Fertigung von Brüssel nach Wolfsburg. Auch ein von VW angebotener Deal konnte die Wogen nicht glätten.

HB BRÜSSEL. Gegen die Streichung von 3500 Arbeitsplätzen im belgischen VW-Werk haben am Samstag in Brüssel tausende von Menschen demonstriert. Die veranstaltenden Gewerkschaften sprachen von 25 000, die Polizei von 15 000 Teilnehmern, die in einem drei Stunden dauernden, mehrere Kilometer langen Protestzug durch die belgische Hauptstadt zogen.

Auf der Abschlusskundgebung erklärten Gewerkschaftsvertreter, sie seien mit der von VW in Aussicht gestellten Fertigung des neuen Audi A1 ab 2009 nicht zufrieden, die 3000 Arbeitsplätze erhalten solle. VW hatte vor eineinhalb Wochen angekündigt, die Brüsseler Golf-Produktion nach Wolfsburg zu verlagern. 190 000 der in Brüssel jährlich vom Band laufenden 204 000 Autos sind Golf-Modelle. VW teilte am Freitag mit, in Gesprächen mit dem belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt sei vereinbart worden, die A1-Produktion nach Brüssel zu geben. Details seien aber noch zu klären.

Gewerkschaftsredner zeigten sich von dem Deal noch nicht überzeugt. Die Gewerkschaften seien entschlossen, das Beste für die Beschäftigten herauszuholen. „Das vergangene Jahrzehnt wurde den VW-Beschäftigten gesagt, sie müssten enorm flexibel sein“, sagte Erwin Decklerck von der Gewerkschaft ABVV. „Nun stellt sich aber heraus, dass Flexibilität uns nichts gebracht hat.“ An der Kundgebung nahmen auch Beschäftigte von Autowerken in Deutschland, Frankreich und Portugal teil. Die Demonstranten trugen Spruchbänder, auf denen Parolen wie „Erst die Menschen, dann der Profit“, „Fasst meinen Volkswagen nicht an“ oder „Victims of Wolfsburg“ stand.

In den vergangenen Jahren sind in der Automobilindustrie in Belgien tausende Arbeitsplätze abgebaut worden. Die belgische Regierung bemüht sich deshalb verstärkt um eine Sicherung der Beschäftigung in diesem Bereich. 3000 Arbeitsplätze wurden vor drei Jahren in einem Ford-Werk in Genk abgebaut, die Schließung einer Renault-Fabrik außerhalb Brüssels 1997 führte kostete 3100 Arbeitsplätze.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%