Der November ist viel zu warm, und im Sporthandel bröckeln schon jetzt die Preise
Ski-Industrie vertraut auf Kunstschnee

Langlauf-Weltcup am Düsseldorfer Rheinufer Ende Oktober, Skispringen am Brandenburger Tor im November und künstliche Pisten im Ruhrgebiet rund um die Uhr: Der Aufwand, mit dem die Unternehmen versuchen, den Skisport noch vor der Weihnachtssaison in die Köpfe ihrer Kunden zu bringen, ist gewaltig. Denn die Hoffnung auf frühen Schnee ist in der Vergangenheit oft genug sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Allen Beteiligten ist das vergangene Jahr noch in schlechter Erinnerung, als es erst im Januar schneite und der Durchschnittspreis für ein Paar Ski auf 200 Euro absackte.

MÜNCHEN. Genutzt haben die Anstrengungen in diesem Jahr bislang freilich noch wenig. War der Saisonstart mit sehr kaltem Wetter im Oktober noch gut, sind in Münchens Sportgeschäften die Preise im warmen November schon kräftig gepurzelt. Nur für die allerneusten Edelbretter sind Sportbegeisterte noch bereit, mehr als 750 Euro zu berappen. „Die Kunden warten, bis sie sicher sind, dass in den Bergen Schnee liegt. Erst dann kaufen sie neue Ski“, sagt Salomon-Chef Jean-Luc Diard. Noch üben sich die Hersteller allerdings in Optimismus: „Die ersten Zeichen sind nicht schlecht. Es ist zumindest kein Minus zu erwarten“, sagt der Salomon-Chef.

Noch optimistischer ist Roger Talermo, Vorstandschef Amer Sports, des finnischen Besitzers von Atomic: „Wir haben im September so viele Ski ausgeliefert wie noch nie. Die Chancen seien gut, dass die Saison keine weiteren Einbrüche bringt. Bekannt für ungebrochenen Optimismus ist Weltmarktführer Rossignol, der den Absatz nach Angaben von Deutschland-Chef Helmut Bälz um mehr als 5 % steigern will. Im vergangenen Jahr mussten aber auch die Franzosen mit einem Minus von 3,2 % auf 1,21 Millionen Paar Ski (einschließlich der Tochter-Marke Dynastar) kräftig Federn lassen.

Die derzeitige Konsumflaute will sich der slowenische Hersteller Elan zu Nutze machen und bietet seine Bretter rund 100 Euro billiger an als die großen drei Rossignol, Atomic und Salomon. „Wir haben ein Gespür für ehrliche Verkaufspreise“, sagt Roland Wagner, der das Geschäft von Elan in Deutschland verantwortet. Das schwierige Konsumumfeld bremse die Kauflust. Deshalb rechnet der Deutschland- Statthalter von Elan mit einem weiteren Rückgang des Marktes um 15 %.

Schon im vergangenen Jahr ächzte die Branche unter einem Minus von 10 % im deutschen Markt. Elan hat laut Wagner in den vergangenen beiden Jahren in Deutschland um 70 % zugelegt, bewegt sich mit jetzt etwa 40 000 verkauften Paar Ski aber dennoch nur im Mittelfeld. Allerdings sieht Wagner für Elan in diesem Winter weiter kräftiges Wachstum in Deutschland. Insgesamt setzt das Unternehmen weltweit 110 Mill. Euro um und hat in der vergangenen Saison 410 000 Paar Ski unter eigener Marke verkauft und 140 000 Paar für andere Firmen produziert. Die Slowenen kämpfen damit in einer Gruppe mit Völkl, die den Vorjahresabsatz von 420 000 Paar deutlich übertreffen wollen. Damit soll der Umsatz erstmals die Marke von 100 Mill. Euro übertreffen.

Seite 1:

Ski-Industrie vertraut auf Kunstschnee

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%