Der Vorstandsvorsitzende der Continental AG warnt Deutschland
„Deutschland verliert bald Ingenieursjobs“

Der Chef des Reifenherstellers und Automobilzulieferers Continental, Manfred Wennemer, fordert von der nächsten Bundesregierung schnellstmöglich ein neues wirtschaftliches Gesamtkonzept: „Es ist vor allem wichtig, dass nicht weiter diskutiert, sondern implementiert wird“, sagte der Manager im Interview mit dem Handelsblatt.

HB FRANKFURT. Die Abwanderung lohnintensiver Tätigkeiten in Billiglohnländer ist seiner Meinung nach aber auch durch Reformen nicht zu stoppen: „Machen wir uns nichts vor: Gegenüber Ländern wie China oder Rumänien haben wir keine Chance.“ Er prognostiziert sogar, dass zunehmend auch Ingenieurstätigkeiten aus Deutschland verlagert werden – nicht nur aus Kostengründen, sondern auch, weil hier zu Lande nicht genügend Ingenieure ausgebildet würden. Das Interview im Wortlaut:

Herr Wennemer, was muss eine neue Regierung in Deutschland sofort anpacken?

Wennemer: Die Probleme sind bekannt: zum Beispiel Bürokratismus, zu restriktive Arbeitsgesetze, demographische Entwicklung. Auch Lösungen liegen auf der Hand. Wichtig ist nun, dass nicht weiter diskutiert, sondern schnellstens implementiert wird. Ein Beispiel: In Deutschland dauert die Genehmigung für eine Teststrecke mindestens fünf Jahre, wenn sie überhaupt kommt, in Rumänien eine Woche.

An der Steuergesetzgebung haben Sie nichts auszusetzen?

Wennemer: In der Steuerpolitik sehen wir nicht den dringendsten Handlungsbedarf. Auch hier ist die Bürokratie durch die vielen Ausnahmen das Hauptübel. Sie verursacht viel Arbeit und bringt nichts. Die Ausnahmen müssten gestrichen, die Basis damit verbreitert und die Steuersätze im Gegenzug gesenkt werden. Das würde auch positiv auf ausländische Investoren wirken.

Sind mit der harten Wahrheit in Deutschland Wahlen zu gewinnen?

Wennemer: Ich bin überzeugt davon, dass die Menschen verstehen, dass sich vieles ändern muss, wenn man ihnen klipp und klar sagt, was getan werden muss, dass alle ihren Beitrag leisten müssen und was die Ergebnisse sind.

Was soll eine neue Regierung als Erstes tun?

Wennemer: Wir brauchen keine Einzelmaßnahmen, sondern ein Gesamtkonzept. Die Wirtschaft ist ein komplexes Gebilde und das erfordert komplexe Maßnahmen. Es nützt nichts, nur an einer Schraube zu drehen. Wenn jetzt nicht schnell etwas passiert, fällt Deutschland noch weiter zurück.

Können verbesserte Rahmenbedingungen den Trend zur Verlagerung stoppen?

Wennemer: Machen wir uns nichts vor. Wir haben bei lohnintensiven Tätigkeiten keine Chancen gegenüber Ländern wie Rumänien oder China. Aber wir könnten unsere Position gegenüber den Wettbewerbern aus Westeuropa entscheidend verbessern.

Was sind die Stellschrauben?

Wennemer: Beispielsweise längere Arbeitszeiten. Wenn ich 40 Maschinen habe, lasse aber nur 35 oder sogar nur 28 laufen, dann verschlechtere ich meine Position, da der Fixkostenblock gleich bleibt. Bei Arbeitszeiten ist das nicht anders. Wir wollen den Leuten kein Geld nehmen, das sie brauchen. Aber sie müssen dafür 40 oder sogar 42 Stunden arbeiten, wie fast überall auf der Welt auch.

Ist Kostensenkung der Schlüssel für den Erfolg von Continental?

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