Deutlich geringere Nachfrage
Chemiebranche droht Stellenabbau

Die Wirtschaftsflaute zwingt auch Deutschlands viertgrößten Industriezweig in die Knie: Die Chemiebranche muss nach dem stärksten Produktionsrückgang seit 30 Jahren ihre ohnehin bescheidenen Erwartungen für 2009 zurückschrauben. Nun droht Stellenabbau

HB FRANKFURT. „Das vierte Quartal hat sich zu einer Katastrophe entwickelt für die ganze Chemie“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VCI, Utz Tillmann,am Mittwochabend in Frankfurt. „Der Nachfragerückgang im November kam über Nacht“, ergänzte VCI-Chefvolkswirt Holger Meincke. Nach mehr als vier Jahren des Booms produzierten Firmen plötzlich auf Halde, Bestellungen gingen teilweise gegen null. Daraufhin fuhren viele Firmen die Fertigung zurück und legten Anlagen zeitweilig still. Die Folge: Im vierten Quartal schrumpfte die Chemieproduktion laut Verband der Chemieindustrie (VCI) so stark wie seit den 1970er Jahren nicht mehr.

Daher planten Unternehmen mehr Kurzarbeit, sagte Tillmann. „Momentan ist auch nicht klar, ob in diesem Jahr bei der Stammbelegschaft ein Stellenabbau stattfindet.“ Bislang gab es bei den Chemiefirmen noch keine betriebsbedingten Kündigungen. Die Branche zählte 2008 rund 438 000 Beschäftigte. Größen wie BASF, Bayer, Lanxess und Altana hatten bereits für Tausende Beschäftigte Kurzarbeit angeordnet oder die Wochenarbeitszeit deutlich reduziert.

Eine Besserung der Branchenkonjunktur sieht der Verband nicht. „Wir können noch nicht sagen, dass wir die Talsohle erreicht haben“, fasste Tillmann eine Umfrage unter Chemiefirmen vom Februar zusammen. Für das laufende Jahr schließt der VCI sogar einen Rückgang der Produktion um rund 3,5 Prozent nicht mehr aus. „Beim Umsatz ist mit einem deutlichen stärkeren Rückgang zu rechnen“, sagte Chefvolkswirt Meincke. Bislang wurde nur ein Produktionsminus von einem Prozent prognostiziert. Ohne die Pharmabereiche - sie gelten als weniger konjunkturanfällig - könne die Chemieproduktion dieses Jahr sogar um fünf bis sechs Prozent sinken, sagte Meincke.

Die Mehrzahl der Unternehmen habe von Umsatzrückgängen im Januar im Vergleich zum Jahresende berichtet, führte Tillmann aus. Zwar seien die Lager weiter abgebaut worden. Dennoch sei die Auslastung der Chemieanlagen im Januar nicht gestiegen. Sie liege nur bei 75 Prozent, während sie in den letzten Jahren im Schnitt bei etwa 82 bis 86 Prozent gelegen habe. In dieser Situation erhofften sich die Unternehmen einen Anschub des Geschäfts durch die Konjunkturprogramme der Regierung, die wichtigen Abnehmerindustrien wie der Autobranche zugutekommen.

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