Deutliche Ertragssteigerung in USA erwartet
BASF will Produktprogramm stärken

Nach der Trennung von mehreren Sparten und Tochterfirmen sollen beim Chemiekonzern BASF Akquisitionen wieder etwas stärkeres Gewicht erlangen. "Es geht jetzt darum, die Fertigungs-Strukturen noch weiter zu verbessern. Dazu gibt es an manchen Stellen signifikante Investitionen, in anderen Bereichen auch Akquisitionen", sagte Firmenchef Jürgen Hambrecht dem Handelsblatt.

HB FRANKFURT/M. Größere Verkäufe werde es aus heutiger Sicht dagegen nicht mehr geben. Nur noch kleinere Bereinigungen seien denkbar, so Hambrecht weiter. Erste Weichen hat der Konzern bereits gestellt. Das ertragsschwache Arbeitsgebiet Feinchemie etwa will die BASF mit dem Erwerb der Firma Orgamol stärken. Für diesen Deal haben am Freitag die Belegschafts-Aktionäre des Schweizer Unternehmens grünes Licht gegeben. Analysten sehen solche kleineren Transaktionen als Indiz für die weitere Strategie des Konzerns. Als mögliches Expansionsfeld gilt unter anderem der Bereich Elektronikchemikalien, der vor wenigen Monaten mit dem Erwerb der entsprechenden Aktivitäten von Merck aus Darmstadt verstärkt wurde. "Dieses Segment ist nun groß genug als Plattform für weitere Akquisitionen", schätzt etwa Andreas Heine von der Hypovereinsbank.

Angesichts seiner hohen Ertragskraft und Eigenkapital-Quote sowie einer nur geringen Netto-Verschuldung wäre die BASF aus Sicht von Finanzexperten mühelos in der Lage, auch sehr große Zukäufe in der Chemie zu stemmen. Hambrecht betont indessen, dass man weiterhin nur sehr selektiv zukaufen wolle. Die BASF gehöre in ihren wichtigen Arbeitsgebieten inzwischen fast überall zu den drei führenden Anbietern. "Jede größere Akquisition würde also kartellrechtliche Probleme erzeugen. Große Zukäufe sind daher derzeit nicht erkennbar." Auch eine Übernahme der Baseler Ciba Spezialitäten Chemie AG, über die in den vergangenen Monaten immer wieder spekuliert wurde, ist für den BASF-Chef absolut kein Thema. "Diese Spekulationen sind schlicht Unsinn", so Hambrecht.

Die eher behutsame Akquisitions-Strategie fügt sich weitgehend in die Linie der letzten Jahre. Insgesamt hat sich der BASF-Konzern durch Übernahmen, Verkäufe oder Abspaltungen in wesentlich geringerem Maße verändert als andere europäische Chemiefirmen wie Bayer, DSM, Clariant oder Rhodia. Die Firmenkasse ist jedoch gut gefüllt. Seit 1999 hat der Konzern knapp neun Mrd. Euro für Zukäufe ausgegeben und etwa 10,5 Mrd. Euro aus Verkäufen erlöst. Größte Transaktionen waren der Verkauf der Pharmasparte sowie die Übernahme der Pflanzenschutzfirma Cyanamid zu Beginn des Jahrzehnts. Auch 2005 überwiegen bisher die Einnahmen aus Verkäufen. Alleine der Verkauf der 50-prozentigen Beteiligung am Kunststoffhersteller Basell dürfte netto gut eine Mrd. Euro bringen.

Zurückhaltung bei Zukäufen legt unter anderem die Verbund-Strategie der BASF nahe. Dabei versucht der Chemiekonzern seine Produktion möglichst an großen, stark vernetzten Standorten zu konzentrieren wie Ludwigshafen, Antwerpen oder nun auch an dem neu aufgebauten Werk in Nanjing/China. Zudem zeigten vor allem die Erfahrungen in Nordamerika, wo die BASF in den 70er und 80er Jahren stark zugekauft hatte, die Kehrseite einer Akquisitionspolitik. Die verzettelte Struktur der dortigen Anlagen gilt als einer der Hauptgründe für die notorische Ertragsschwäche des US-Geschäfts der BASF.

Nach einer Reihe von Werksschließungen und anderen Strukturmaßnahmen - darunter der Verkauf der nordamerikanischen Styrolkunststoff-Sparte - sieht Hambrecht die US-Aktivitäten allerdings im Aufwärtstrend. "Wir werden 2005 in Nordamerika deutlich besser abschneiden und dann sukzessive unsere Ertragskraft weiter steigern."

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