Deutsche Bahn
Betriebsrat nimmt Mehdorns Entschuldigung an

Jetzt dürfte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn aus dem Gröbsten raus sein: Der Bahn-Betriebsrat hat Mehdorns Entschuldigung akzeptiert. Zum Rücktritt wollen ihn die Vertreter der Arbeitnehmer ihn nicht auffordern. Zuvor hatte Mehdorn sich dafür entschuldigt, dass er die Mitarbeiter überprüft und das nicht den Arbeitnehmervertretern gesagt hatte.

HB FRANKFURT/BERLIN. Konzernbetriebsrat der Deutschen Bahn hat die Entschuldigung des Vorstandschefs Hartmut Mehdorn in der Datenaffäre akzeptiert. Der stellvertretende Vorsitzende Jens Schwarz sagte nach einer Sitzung des Gremiums in Frankfurt: „Die Entschuldigung reicht.“ Ein Rücktritt Mehdorns werde nicht gefordert. Zugleich verlange der Betriebsrat aber „eine lückenlose Aufklärung“. „Erst wenn das erfolgt ist“, könne man die Entschuldigung abschließend beurteilen, sagte Schwarz. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber sei durch die Mitarbeiterkontrollen der Bahn „empfindlich geschädigt“.

Zuvor hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn sich wegen der Datenaffäre bei den Beschäftigten entschuldigt. Der Vorstand bedauere, dass es bei den Mitarbeiterüberprüfungen zu Verstößen gekommen sei und keine Gremien der Arbeitnehmervertretungen informiert gewesen seien, erklärte Mehdorn nach Teilnehmerangaben bei einer Sitzung des Konzernbetriebsrats am Freitag in Frankfurt. Der Vorstand "entschuldigt sich dafür bei seinen Mitarbeitern".

Die Gewerkschaften Transnet, GDBA und GDL hatten Mehdorn mehrfach eindringlich aufgefordert, sich für den umstrittenen Massenabgleich von Mitarbeiterdaten zu entschuldigen. Bis diesen Dienstag müsse der Aufsichtsrat im vollem Umfang über die Affäre informiert werden. In einem Schreiben an alle Mitarbeiter hatte Mehdorn bereits Fehler eingeräumt. Dies hatten die Gewerkschaften als nicht ausreichend bezeichnet.

Unterdessen hat die Deutsche Bahn der Berliner Staatsanwaltschaft umfangreiche Akten übergeben. Es gehe um 60 Einzelvorgänge, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde am Freitag auf Anfrage in Berlin. Die Staatsanwaltschaft solle auf Wunsch der Bahn prüfen, ob es beim Abgleich der Daten von Bahn- Mitarbeitern und Lieferfirmen durch „beauftragte Drittunternehmen“ Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Eine Selbstanzeige der Bahn liege nicht vor.

Die Bahn hatte eingeräumt, in den Jahren 2003 und 2005 rund 173 000 Mitarbeiter auf Korruptionsverdacht überprüft zu haben. Dies geschah mit einem Abgleich von Mitarbeiterdaten wie Wohnadressen, Telefonnummern und Bankverbindungen mit jenen von 80 000 Firmen, die Auftragnehmer der Bahn waren. Damit betraut wurde die Firma Network Deutschland.

Bei der Staatsanwaltschaft gingen am Mittwoch zwei Kartons mit Unterlagen ein. Für Freitag seien noch vier weitere angekündigt, teilte die Sprecherin mit. Die Prüfung werde sicherlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Bahn hatte die Einschaltung der Staatsanwaltschaft vor einer Woche angekündigt. Die Behörde solle das von der Bahn gewählte Kontrollverfahren „unter allen rechtlichen Gesichtspunkten“ prüfen, sagte damals der Antikorruptionsbeauftragte Wolfgang Schaupensteiner.

Schon seit Tagen versucht Mehdorn viel, um die Rolle des getriebenen in der Datenaffäre wieder los zu werden und Zeit zu gewinnen. In Berlin prässentierte er sich als Mann der Tat: "Was wir wissen, kommt auf den Tisch und wird selbstverständlich Parlament, Regierung und Aufsichtsrat vorgelegt. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer umfassenden Aufklärung."

Seite 1:

Betriebsrat nimmt Mehdorns Entschuldigung an

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%