Deutsche Chemieindustrie
Der Druck kommt von unten

Die Chemie ist eine der wichtigsten deutschen Schlüsselindustrien, beim Innovations-Transfer zwischen Industriebranchen die Nummer eins. Sie ist Exportweltmeister, erzielt Rekordumsätze. Wo sind da die Wachstumsrisiken? Es gibt sie: Es sind hohe Rohstoffkosten – und die Politik.

FRANKFURT. Alfred Oberholz zeigt ein blankes Blatt Papier. Es fühlt sich seidig an. Doch für Notizen ist es nicht geeignet. Das Material ist vielmehr eine hauchdünne Keramik, es heißt richtig Separatorfolie und könnte, nein: Es wird die Automobilindustrie revolutionieren.

Oberholz leitet den Ausschuss Forschung, Wissenschaft und Bildung beim VCI, dem Verband der Deutschen Chemieindustrie, er ist zugleich Vorstand der Evonik Industries, und referiert über eine der wichtigsten deutschen Schlüsselindustrien – die Chemie. Was er mit Zahlen, in einer Studie „Die deutsche Chemieindustrie im globalen Wettbewerb“ erhoben, belegt: Die Chemie ist beim Innovations-Transfer zwischen Industriebranchen die Nummer eins. Sie ist Exportweltmeister, erzielt Rekordumsätze.

Wo sind da die Wachstumsrisiken? Ist es die immer noch starke Konkurrenz in den USA? Oder sind es die boomenden Länder Asiens? Oder aber die arabischen Länder, die auf dem wichtigsten Rohstoff der Chemieindustrie, dem Öl, sitzen?

Ein Blick aufs weltweite Ranking der größten Chemieunternehmen zeigt die Gefahren: Zwar ist die Ludwigshafener BASF auf Platz eins, bleibt damit aber das einzige deutsche Unternehmen unter den Top 10. Bayer, Evonik, Lanxess folgen auf den hinteren Rängen. Das lässt den Schluss zu, dass die immer noch fragmentierte Chemieindustrie – viele kleine und mittelständische Betriebe – gerade die Stärke des deutschen Standortes ausmachen.

Aber auch das stimmt nur bedingt. „Der gesicherte Zugang zu günstigen fossilen Rohstoffquellen wird immer wichtiger für die Hersteller von Basischemikalien“, nennt Thomas Rings, Chemieexperte bei A.T. Kearney, einen makroökonomischen Trend, der für Wohl und Wehe dieser Branche entscheidend wird.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich Spieler, die über einen gesicherten Rohmaterialzugang verfügen, wie zum Beispiel die saudi-arabische Sabic, in den letzten Jahren sehr schnell unter die ersten zehn Chemieproduzenten geschoben haben. Die Übernahme von GE Plastics wird nicht der letzte Schritt in der Expansionsstrategie bleiben.

Auch die chinesische Sinopec, die etwa ein Viertel ihres über 130 Mrd. Dollar starken Umsatzes mit Petrochemie macht, hat sich auf diese Art und Weise nach vorne geschoben. Die petrochemischen Aktivitäten der großen Ölkonzerne Shell, Exxon oder Total haben von ihrem Zugang zu wettbewerbsfähigen Rohstoffen profitiert und ihre Marktstellung deutlich ausgebaut.

Seite 1:

Der Druck kommt von unten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%