Deutscher Gartengerätehersteller
Husqvarna schlägt bei Gardena zu

Die schwedische Husqvarna-Gruppe, bekannt für ihre Motorsägen und Rasenmäher, übernimmt den Ulmer Gartengerätehersteller Gardena. Das Unternehmen bestätigte damit Informationen des Handelsblatts vom Mittwoch. Der Preis liegt wie berichtet hoch, doch das Geschäft dürfte sich rechnen.

STUTTGART/DÜSSELSDORF. Der schwedische Forst- und Gartengerätehersteller zahlt für den schwäbischen Konkurrenten 730 Mill. Euro. Der Kauf werde voraussichtlich im ersten Quartal 2007 abgeschlossen, teilte Husqvarna am Donnerstag weiter mit. Die Transaktion werde den Husqvarna-Gewinn des Gesamtjahrs 2007 positiv beeinflussen.

Damit hat sich der Wert des Unternehmens in vier Jahren mehr als verdoppelt. 2002 verkauften die Familieneigentümer von Gardena ihre Firma für 350 Mill. Euro an den schwedischen Finanzinvestor Industri Kapital.

Experten halten den Preis für hoch. Im Juni 2004 übernahm der US-Finanzinvestor Castle Harlan den amerikanischen Gartengerätehersteller Ames True Temper für 380 Mill. Dollar. Dies entsprach dem 7,6fachen des Betriebsergebnises vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Die aktuellen Geschäftszahlen für Gardena liegen noch nicht vor. Insider rechnen mit einem Ebitda von 76 Mill. Euro. Demnach würde Husqvarna fast das Zehnfache zahlen.

Trotzdem kann die Übernahme sinnvoll sein. Husqvarna, einer der weltgrößten Hersteller von Motorsägen und Rasenmähern, wurde erst im Juni 2006 aus dem Electrolux-Konzern ausgegliedert und an die Börse gebracht. Der Vorstandsvorsitzende, Bengt Andersson, sagte damals, Husqvarna wolle über Akquisitionen wachsen. Husqvarna mache jetzt genau das Richtige, sagt Andreas Tödten, Direktor für Mergers & Aquisitions beim Investmenthaus Angermann. „Er kauft eine hochwertige Marke und schafft damit für sein Haus eine klasse Wachstumsstory.“

Gardena steht blendend da

Die Entwicklung von Gardena ist imposant. Das Ebitda lag vor vier Jahren noch bei 33 Mill. Euro. Seitdem fiel der Umsatz zwar von 440 auf 393 Mill. Euro, das Ebitda dagegen wurde mehr als verdoppelt. Der 2003 angetretene Vorstandsvorsitzende Martin Bertinchamp straffte die Produktpalette und zentralisierte die Logistik. Unter anderem wurden Verteilungszentren in Belgien, Frankreich, Holland und Spanien geschlossen. Die Mitarbeiterzahl blieb mit 2 900 – davon 1 600 in Deutschland – in etwa konstant. Der Betriebsratsvorsitzende von Gardena, Hermann Sailer, sagt: „Wir haben mit Industri Kapital gut zusammen gearbeitet.“

Bertinchamps Vorgänger, Wolfgang Jahrreiss, war 2003 im Streit mit Industri Kapital gegangen. Der neue Eigentümer habe eine Kostensenkung von 30 Mill. Euro verlangt, sagte Jahrreiss damals. Unter anderem sollte bei Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung gespart werden. Dies führe zwar kurzfristig zu höheren Gewinnen, sei mittel- und langfristig aber gerade für ein Markenunternehmen gefährlich. Ein Unternehmenssprecher sagt heute, die Bedenken von damals hätten sich als haltlos erwiesen.

Den Umstand, dass ein strategischer Investor bei Gardena einsteigt, werten Beobachter als positiv. „Bisher hieß es doch nur: sparen, sparen, sparen“, sagt Peter Schommer, Konsumexperte bei der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. „Jetzt ist man wieder zu unternehmerischem Risiko bereit.“

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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