Deutschland vs. Japan
Kampf um die Gabelstapler-Weltmacht

Noch dominiert Toyota den Gabelstapler-Weltmarkt, gefolgt von der deutschen Kion-Gruppe. Doch der Kampf um die Übernahme des japanischen Herstellers UniCarriers, könnte die Karten international völlig neu mischen.
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FrankfurtDie Gabelstapler des japanischen Herstellers UniCarriers befördern bereits zahllose Bauteile und Waren durch Fabriken und Lager in aller Welt. Doch der Konzern mit Marken wie Nissan und TCM gilt als Übernahmeziel und könnte bei einem Besitzerwechsel schon bald den gesamten Weltmarkt für sogenannte Flurförderzeuge umschichten: Interesse an UniCarriers werden der deutschen Kion -Gruppe und dem japanischen Rivalen Mitsubishi Nichiyu Forklift nachgesagt.

In beiden Fällen würde ein UniCarriers-Verkauf die Rangfolge der internationalen Branchengrößen ändern. An der Spitze steht derzeit Toyota Industries aus Japan, gefolgt von Kion aus Wiesbaden und - mit einigem Abstand - Jungheinrich aus Hamburg.

Sollte Kion bei UniCarriers zum Zuge kommen, könnten die Hessen Toyota Industries den Titel als Marktführer streitig machen. Zusammen kämen die beiden auf 5,7 Milliarden Euro Umsatz mit Gabelstablern und Lagertechnik - in der Branche unter dem Begriff Flurförderzeug zusammengefasst - und damit in etwa auf die gleiche Summe wie Toyota. „Es gäbe ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Weltmarktspitze“, sagt Commerzbank-Analyst Sebastian Growe. Ihm zufolge beherrschen die führenden Japaner den Weltmarkt bisher zu etwa einem Fünftel. Der Anteil von Kion liegt demnach bei rund 14 Prozent, der von Jungheinrich bei rund sieben Prozent.

Hätte aber Mitsubishi Erfolg, droht Jungheinrich der Abstieg von den Medaillenplätzen. UniCarriers liegt auf der Weltrangliste des einschlägigen Branchen-Journals „dhf-Magazin Intralogistik“ nur auf Platz acht, Mitsubishi Nichiyu auf Platz sieben. Gemeinsam würden sie aber mit ihren Gabelstaplern und sonstiger Lagertechnik dem Fachblatt zufolge mehr umsetzen als Jungheinrich. Allerdings hat Jungheinrich selbst unlängst zur Aufholjagd auf die Marktführer Toyota Industries und Kion geblasen. Die Hamburger wollen den Vertrieb weltweit ausbauen und könnten dabei auch Händler übernehmen.

Das Erklimmen der Marktspitze bis spätestens 2020 ist erklärtes Ziel von Kion-Chef Gordon Riske. In den vergangenen Jahren war das einst vom Industriegase-Konzern Linde abgespaltene Unternehmen, dessen Aktien im MDax notiert sind, bereits durch mehrere Übernahmen gewachsen. Unter dem Kion-Dach vereint sind Marken wie Linde, Still, Baoli und Voltas.

Im März hatte Reuters von einem Insider erfahren, dass Kion mit UniCarriers spricht und dass auch eine Tochter des Mischkonzerns Mitsubishi Heavy Industries Interesse hat. Inzwischen berichtete die "FAZ", Kion habe ein endgültiges Gebot abgegeben. Kion lehnte eine Stellungnahme bisher ab.

UniCarriers ist in Japan und den USA besonders stark, wo Kion weniger vertreten ist. „Mit UniCarriers würde Kion vor allem eine geografische Lücke schließen“, erklärt Analyst Growe. UniCarriers könnte für Kion besonders deshalb von Interesse sein, weil das japanische Unternehmen unlängst in den USA zugekauft und dort so sein Vertriebsnetz ausgebaut hat.

In der Branche gelten funktionierende Händler- und Service-Netze als wichtige Erfolgsfaktoren, weil ihr Aufbau Jahre dauern kann. Schließlich sind Kunden längst nicht mehr nur daran interessiert, einen leistungsfähigen Stapler zu kaufen. Sie investieren in ein komplettes Lagertechniksystem, für dessen reibungslosen Ablauf der Anbieter oft ebenfalls zuständig ist. Für die unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ bekannte vernetzte Fertigung hatte Kion erst Anfang Mai den belgischen Spezialisten für Logistik-Automatisierung Egemin übernommen.

Ob Kion auch bei UniCarriers zum Zuge kommt, ist dem Experten von der Commerzbank zufolge ungewiss. „Das ist ein offenes Rennen“, sagt Growe. „Mitsubishi ist ein starker Konkurrent, und Finanzinvestoren könnten auch noch einsteigen. Die Chancen stehen Fifty-fifty.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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