Die russische Autoindustrie kämpft verzweifelt gegen die immer stärker werdende Konkurrenz aus dem Westen
Lada kommt unter die Räder

Die Szene ist skurril: Drei in hellblaue Hemden gekleidete Milizionäre schirmen das neue Lada-Modell Priora strikt vor schaulustigen Besuchern ab. Doch nur wenige Schritte weiter kann die interessierte Kundschaft ihre Neugier auf die vermeintlichen Geheimnisse des Mittelklasseautos auf dem Moskauer Autosalon befriedigen. Auf dem Stand der Lada-Mutter Awtowaz steht der Priora – zum Anfassen, Reinsetzen und Wohlfühlen.

MOSKAU. Die Posse um das neue Zugpferd von Lada wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der russischen Autoindustrie. Unkoordiniert und mit untauglichen Mitteln reagieren die Hersteller auf die immer massivere Konkurrenz aus dem Westen. So werden die Lada-Kunden noch lange auf den Priora, einer Mischung aus Opel Corsa und Ford Focus, warten müssen. Denn der Produktionsstart des Autos ist erst für Ende des Jahrzehnts angesetzt, 2012 könnten die ersten Autos bei den Händlern stehen.

Ladas Produktionszyklen sind viel zu lang. So rast die westliche Konkurrenz inzwischen an den russischen Herstellern immer öfter vorbei: Während Lada nach einem halben Dutzend Entwicklungsjahren ab November endlich den Kleinwagen Kalina produzieren will, der an einen Corsa vorvergangener Baureihen erinnert, setzen ausländische Produzenten eine Rekordstückzahl von Neuwagen zwischen Kaliningrad und Wladiwostok ab. Allein im ersten Halbjahr wurden mit 150 378 westlichen Modellen fast doppelt so viele ausländische Autos verkauft wie im Vorjahreszeitraum.

Dabei kommen die West-Karossen längst nicht mehr alle aus dem Ausland. Immer mehr Russen kaufen Westqualität made in Russia: So lässt BMW wie der südkoreanische Hersteller Kia auf einer Werft in Kaliningrad montieren. Ford verfügt über ein eigenes Werk für den Focus bei St.Petersburg. Der weltgrößte Autokonzern, General-Motors, hat ein Joint Venture zur Produktion des russisch-amerikanischen Geländewagens Chevrolet-Niva mit dem Platzhirschen Awtowaz. Hyundai lässt in Russland fertigen, der ebenfalls aus Südkorea stammende Produzent Daewoo in Usbekistan.

Der französische Hersteller Renault will zusammen mit dem Moskauer Moswitsch-Werk noch im kommenden Jahr mit der Produktion eines bis zu 10 000 Euro teuren Modells beginnen, Toyota soll angeblich 2008 folgen und Volkswagen sucht seit Jahren nach einem möglichen Standort. Derweil verliert die VW-Tochter Skoda Marktanteile in Russland.

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