Diesel-Skandal bei VW
Abgas-Betrug wurde aus Wolfsburg gesteuert

Der Betrug bei Diesel-Emissionstests in den USA wurde laut einem Bericht direkt aus der Wolfsburger VW-Zentrale gesteuert. Die an der Manipulation beteiligten Ingenieure wurden demnach extra aus Deutschland eingeflogen.

Volkswagen-Manager in Deutschland haben die wichtigsten Aspekte der gefälschten Emissionstests des Konzerns kontrolliert. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf drei mit der US-Sparte des Unternehmens vertraute Personen. Kriterien, Ergebnisse und Technik der Autos, die die Abgasziele verfehlten, wurden von Managern in der Wolfsburger Konzernzentrale überwacht, berichten die Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten.

Die Berichte zeigen, dass die Weisungskette und die an der Täuschung Beteiligten auch in der VW-Zentrale saßen. Der Konzern hat zwar Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig erhoben. Das Präsidium des Aufsichtsrates hat jedoch die Aussage des zurückgetretenen Vorstandschefs Martin Winterkorn gestützt, er habe nichts von den Vergehen gewusst.

Abgastester auf einem Gelände in Westlake Village im US-Bundesstaat Kalifornien bewerteten alle beteiligten Autos nach Kriterien, die aus Deutschland kamen und ins Englische übersetzt wurden, und die Ergebnisse wurden nach Deutschland zurück übermittelt, bevor sie an die US-Umweltschutzbehörde EPA gingen, erklärte eine der unterrichteten Personen.

Verfehlte ein Auto die Abgasziele, wurde ein Team von Ingenieuren aus der Konzernzentrale oder dem Audi-Sitz Ingolstadt eingeflogen, hieß es weiter. Nachdem die Gruppe rund eine Woche an dem Auto gebastelt habe, bestand das Fahrzeug jeweils den Test. In den USA hatte VW keine Ingenieure, die den Betrugs-Mechanismus für die Abgastests konfigurieren oder Emissionsprobleme lösen konnten, sagten zwei andere informierte Personen. Ein Sprecher von VW wollte sich nicht unmittelbar dazu äußern.

Bei Volkswagen werden laut unterrichteten Kreisen unter anderem Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg und Porsche- Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz im Gefolge von Winterkorns Rücktritt am Mittwoch ihren Hut nehmen. Die beiden leiteten zuvor Bereiche, die im Zentrum der Abgas-Affäre standen - Hackenberg verantwortete von 2007 bis 2013 die Entwicklung bei der Marke Volkswagen, während Hatz zwischen 2007 und 2011 die Motorenentwicklung des Konzerns leitete.

Am 18. September erklärte die EPA, Volkswagen habe zugegeben, dass der Konzern bei US-Abgastests geschummelt habe. Für die falschen Ergebnisse bei VW Jetta, Golf, Beetle und Passat sowie dem Audi A3 könnten VW Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar drohen.

Während die Kohlendioxid- und Stickoxid-Emissionen bei den Labortests häufig um zehn oder 20 Prozent von den Straßentests abwichen, zeigten die Tests laut einer informierten Person nie Emissionen, die um das 35- oder 40-fache über den erwarteten Werten lagen. Das deutet darauf hin, dass die Softwaremanipulation bereits installiert war, bevor die Wagen auf die Testgelände in Kalifornien kamen.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%