Dieselgate
Auch Schweden ermittelt jetzt gegen VW

In den USA sieht sich Volkswagen wegen der Abgas-Affäre bereits möglichen Milliardenforderungen entgegen. Nun beginnen auch schwedische Behörden mit den Ermittlungen. Mehr als 200.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein.

StockholmJetzt droht Volkswagen in der Abgasaffäre auch Ärger in Schweden: Am Dienstag gab die schwedische Anti-Korruptionsbehörde bekannt, dass sie Voruntersuchungen gegen die schwedische VW-Tochter wegen des Verdachts auf schweren Betrug eingeleitet habe. Der zuständige Oberstaatsanwalt Alf Johansson bestätigte, dass er Mitarbeiter von VW Sverige verhören werde. „Wir wissen, dass Verbrechen in Schweden begangen wurden“, sagte er der Tageszeitung „Svenska Dagbladet“. „Wir müssen untersuchen, ob es Personen gibt, die wir in Schweden verurteilen können“.

Sollte nachgewiesen werden können, dass VW-Mitarbeiter in Schweden von den Abgas-Manipulationen gewusst und dennoch Autos verkauft haben, droht ihnen eine Gefängnisstrafe von zwei bis sechs Jahren. Auf die schwedische VW-Tochter könnte zusätzlich eine Millionenstrafe hinzukommen.

Die Ermittlungen der Anti-Korruptionsbehörde richten sich in der Hauptsache gegen Personen in der schwedischen Vertriebsorganisation von VW. Laut Oberstaatsanwalt Johansson gibt es Verdachtsmomente, die darauf hindeuten, dass Mitarbeiter der schwedischen Volkswagen-Tochter von den Manipulationen gewusst haben. Ob die Untersuchungen tatsächlich zu einer Anklage führen werden, ist aber noch offen.

Die Anti-Korruptionsbehörde will bei ihren Untersuchungen eng mit den Strafverfolgungsbehörden in anderen Ländern zusammenarbeiten. „Wir werden unser Vorgehen mit anderen Ländern abstimmen, eventuell über Eurojust“, erklärte Johansson. Eurojust ist die Justizbehörde der Europäischen Union mit Sitz in Den Haag. Wie lange die Voruntersuchungen dauern werden, konnte Johansson nicht sagen.

Bei VW in Schweden wurde die Voruntersuchung der Anti-Korruptionsbehörde begrüßt. „Wir sind sicher, dass der Verdacht entkräftet werden kann“, erklärte ein Sprecher der Volkswagen Group Sverige. Er betonte, dass man selbst von den Motormanipulationen überrascht worden sei. „Wir haben die Information gehabt, dass die Autos die Abgasnormen erfüllen. Andere Informationen haben wir als Vertriebsorganisation nicht erhalten“, so der Sprecher.

Von der Schummel-Software sind in Schweden rund 225 .00 Wagen der Marken VW, Audi, Skoda, Seat sowie einige Nutzfahrzeuge betroffen. VW hatte im September vergangenen Jahres eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen eine Schummelsoftware installiert zu haben, die bei Abgastests niedrige Emissionswerte als im normalen Straßenbetrieb aufzeigt. In mehreren Ländern laufen seitdem Voruntersuchungen gegen den Wolfsburger Konzern.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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