Druck zu Gegengeschäften verzerrt Wettbewerb
KMW sieht Bedarf für Konsolidierung

Der Münchener Heerestechnik-Konzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) sieht für die Branche in Deutschland und Europa Bedarf für Zusammenschlüsse.

sk/tom BERLIN. Eine vollständige Fusion mit dem zweiten großen deutschen Anbieter Rheinmetall sei zwar nicht zweckmäßig, aber: „Auf den Teilbereich der Landsysteme bezogen, wäre eine Konsolidierung sinnvoll“, sagte Frank Haun, Mitglied der Geschäftsleitung von KMW am Rande der zweiten Handelsblattkonferenz Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie in Berlin. Unter Landsystemen versteht man hauptsächlich fahrbare Militärgüter wie zum Beispiel Panzer.

Seit Jahren wird über einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen spekuliert, da sich der KMW-Großaktionär Siemens von seinem Anteil trennen will. Auch aus der Politik kommt Druck. Die KMW-Eigentümerfamilie Bode hatte sich aber bisher einer solchen Lösung widersetzt.

Rheinmetall hat zwei große Geschäftsbereiche und macht 58 Prozent des Umsatzes mit der Automobilzulieferung, die heerestechnischen Aktivitäten liegen bei der Tochter Detec. Rheinmetall und Krauss-Maffei kooperieren bereits bei einer Reihe von Rüstungsprojekten, darunter auch dem neuen Schützenpanzer Puma, über dessen Serienproduktion 2007 entschieden werden soll. Branchenkennern zu Folge könnten die Unternehmen ihre Aktivitäten in diesem Bereich stärker zusammenbinden und so den Kern für die Konsolidierung schaffen.

Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt hatte erst kürzlich die Kooperation beim Puma als „richtungsweisend“ beschrieben. Die Konsolidierung in Europa werde wohl noch fünf bis zehn Jahre dauern, in Deutschland dürfe man aber nicht mehr so lange warten. Allerdings sei auf nationaler Ebene erst mit Allianzen zu rechnen. Zur Frage, ob dazu bereits Verhandlungen geführt würden, wollten beide Unternehmen aber nicht Stellung beziehen.

KMW-Manager Haun sieht auch für eine eigenständige Zukunft Potenzial. KMW habe eine substanzielle Auftragslage, die noch bis zum Ende des Jahrzehnts reiche. Rund 70 Prozent seines Geschäfts macht der Münchener Konzern, der unter anderem den Kampfpanzer Leopard baut, im Export.

Seit dem Afghanistan-Krieg ist klar, dass das Heer die Hauptlast bei friedenserhaltenden Einsätzen trägt“, sagte Haun. Damit wachse auch die Bedeutung gepanzerter Fahrzeuge zum Schutz der Soldaten gegen Beschuss und die Gefahr von Minen. „In Deutschland haben wir auf diesem Gebiet eine einzigartige Technologie.“

Allerdings behinderten politische Faktoren das Exportgeschäft der Branche. „Ich halte es nicht mehr für tragbar, in welchem Maße Offset-Forderungen in den Nato-Staaten erhoben werden“, kritisiert Haun. Sie führten zu Verzerrungen des Wettbewerbs „par excellence“. Unter dem so genannten „Offset-Geschäft“ versteht man Gegenleistungen, die Rüstungsfirmen erbringen müssen, wenn sie einen Auftrag im Ausland erhalten wollen.

Außer der Bundesrepublik und den USA erheben alle Nato-Staaten solche Forderungen. Industriekreisen zu Folge erreichen sie ein Volumen von über 100 Prozent des Auftragswertes. „Die Anforderungen liegen oft so hoch, dass wir uns an manchen Ausschreibungen gar nicht mehr beteiligen können“, sagt ein deutscher Rüstungsmanager.

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