EADS
Diehl und Thales sollen Airbus-Werk übernehmen

Beim Verkauf des Laupheimer Airbus-Werkes zeichnet sich offenbar eine Lösung ab: Der Nürnberger Rüstungskonzern Diehl und sein französischer Kooperationspartner Thales sollen das zum Verkauf stehende Laupheimer Airbus-Werk übernehmen.

HB PARIS/NÜRNBERG. Der Airbus-Mutterkonzern EADS teilte mit, Airbus habe die beiden Firmen als bevorzugte Bieter für das Werk in Baden-Württemberg ausgewählt, in dem Kabinenteile hergestellt werden. Vor einem Abschluss stünden noch eingehende Prüfungen (due diligence) an. EADS ist durch die Dollarschwäche und Verzögerungen beim neuen Großflugzeug A380 in Schwierigkeiten geraten und hat das Sparprogramm „Power8“ eingeleitet, zu dem auch Werksverkäufe gehören.

Beide Seiten würden nun Detailfragen klären, um so schnell wie möglich zu einer endgültigen Vereinbarung zu kommen, erklärte Airbus. Der Kaufvertrag solle so schnell wie möglich abgeschlossen werden. „Es handelt sich um einige Wochen bis Monate.“

Zum möglichen Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Das Rüstungs- und Technologieunternehmen Diehl und der französische Thales-Konzern wollen mit dem gemeinsamen Kauf ihr Geschäft mit Kabinenausrüstungen ausbauen. Beide Unternehmen verbindet seit Jahren eine strategische Partnerschaft. Diehl produziert für Airbus unter anderem Kabinenbeleuchtungen. Das Werk Laupheim produziert mit 1 100 Beschäftigten Flugzeugkabinen und Klimarohre für alle Airbus-Flugzeuge.

Airbus-Chef Tom Enders hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, dass der Verkauf der Fabrik in Laupheim kurz bevorstehe. Das andere Werk, das die EADS-Tochter als Teil ihres Sparprogramms bald verkaufen will, steht im britischen Filton. Ursprünglich sollten noch andere Airbus-Werke in Frankreich und Deutschland den Besitzer wechseln. Doch scheiterten die Verkaufspläne an Finanzierungsfragen. Nun sollen die französischen Standorte Meaulte und Saint-Nazaire ebenso wie die deutschen Produktionsstätten Varel, Nordenham und Augsburg erst einmal aus dem Konzern ausgegliedert werden.

Sein von Entwicklungspannen verzögertes Flugzeugprojekt A380 hat Airbus offenbar immer noch nicht im Griff. Zuletzt hieß es, das Hochfahren der Serienproduktion werde länger dauern und mehr Ressourcen brauchen als erwartet. Deshalb könnten in diesem Jahr nur 12 statt 13 Flugzeuge ausgeliefert werden und im nächsten Jahr 21 statt 25. Airbus-Chef Tom Enders schließt nach einem Bericht des Magazins „Wirtschaftswoche“ auch beim Militärtransporter A400M eine erneute Verzögerung nicht aus. „Wir sind gut im Zeitplan, aber solche Projekte sind extrem komplex“, sagt Enders der Zeitschrift laut Vorabmeldung. So könne es sein, dass der für diesen Sommer angekündigte Erstflug „vielleicht auch im „Indian Summer'“, also im Frühherbst, starte.

Das Airbus-Werk in Laupheim solle in die Sparte Aero Systems des Gemeinschaftsunternehmens Diehl Aerospace integriert werden, sagte ein Diehl-Sprecher. Das französische Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen Thales hält daran 49 Prozent der Anteile, Diehl 51 Prozent. „Die industrielle Führung liegt damit bei Diehl.“ Mit der geplanten Übernahme des Werks in Laupheim wollten Diehl und Thales zu einem der international führenden Anbieter für Flugzeugkabinen werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Zeitungsberichten zufolge war mit dem französischen Flugzeugausrüster Zodiac noch ein weiterer Kaufinteressent für das Werk in Laupheim bis zum Schluss im Rennen. Wie die „Schwäbische Zeitung“ kürzlich berichtet hatte, gab es in der Belegschaft massive Bedenken gegen Zodiac.

Peter Hintze, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie und Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, erklärte zu dem geplanten Verkauf: „Die Entscheidung von EADS für Diehl als „preferred bidder“ für das Airbus-Werk Laupheim ist ein gutes Signal für die Luftfahrtindustrie in Deutschland und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der deutschen Zulieferindustrie.“ Wenn Diehl Laupheim übernehme, entstehe damit ein weltweit wettbewerbsfähiges Unternehmen im Bereich der Flugzeugkabine, das dann attraktive Angebote für alle Flugzeughersteller in der Welt machen könne.

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