Ein Jahr nach dem Stromausfall im Münsterland
Lehren aus dem Schnee-Desaster

Vor einem Jahr knickten im Münsterland aufgrund von heftigen Schneefällen 82 Strommasten ein – 250 000 Menschen mussten zum Teil tagelang ohne Strom auskommen. Für RWE war die Situation ein Desaster. Doch der Konzern hat seine Lehren daraus gezogen.

DÜSSELDORF. „Kindergeld von RWE kannst Du knicken.“ Dieser Satz stand Ende Februar auf einem Karnevalswagen im Münsterland – zu unrecht. Ein halbes Jahr später hatte die Region eine ganz besondere Bevölkerungsgruppe: Die „Schnee-Babys“. Jedem von ihnen schenkte RWE 300 Euro. Das besondere an den Babys: Sie kamen neun Monate nach dem großen Stromausfall im Münsterland zur Welt.

Am 25. November 2005 waren dort 82 Strommasten aufgrund von heftigen Schneefällen eingeknickt. Der sehr nasse Schnee legte sich um freihängende Starkstromleitungen und bildete einen mehrere Tonnen schweren Eismantel. Die Leitungen hielten diesem Gewicht nicht stand – die Masten knickten um. 250 000 Menschen mussten zum Teil tagelang ohne Strom auskommen, viele verbrachten das erste Adventswochenende in Turn- oder Stadthallen.

Für RWE war die Situation ein Desaster – vor allem aufgrund der schlechten Krisenkommunikation. „Wir haben uns zu spät für die Stromausfälle entschuldigt“, sagt Martin Rothenberg, Sprecher von RWE Westfalen-Weser-Ems heute. Der Stromversorger hatte zwei Tage nach den Ausfällen angekündigt, keine Entschädigungen zu zahlen, da er keine Schuld an dem Stromausfall trage. Erst zwei weitere Tage später richtete RWE einen Härtefallfond in Höhe von fünf Mill. Euro ein. „Das hätten wir besser umgekehrt gemacht“, sagt Rothenberg.

In wenigen Tagen hatten nicht nur 250 000 Menschen im Münsterland ihr Vertrauen in die Stromversorgung verloren, sondern der Vorfall wurde auch zum bundesweiten Medienthema. Durch den Stromausfall war ein Schaden von mehr als 100 Mill. Euro entstanden: Unternehmen konnten nicht produzieren, in privaten Haushalten wurden die Kühlschränke warm, Fütterungsanlagen von Bauern gaben ihren Geist auf. RWE selbst entstand ein Schaden in Höhe von 47 Mill. Euro.

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