Einblick in die Bücher
Rettung von Escada kommt voran

Noch ist kein Vertrag unterschrieben, doch es sieht gut aus für Escada. In Finanzkreisen hieß es am Donnerstag, ein gutes Dutzend Investoren zeige ernsthaftes Interesse an dem insolventen Luxuslabel und habe bereits unverbindliche Angebote abgegeben. In den nächsten drei Wochen solle nun einem Teil der potenziellen Käufer ein Blick in die Bücher gewährt werden.

MÜNCHEN. Im Anschluss an den Unternehmens-Check soll schnell eine Entscheidung getroffen werden. Insolvenzverwalter Christian Gerloff hat mehrmals bekräftigt, dass er bis Anfang November einen neuen Besitzer präsentieren möchte.

Als einziger Interessent ist bislang der Münchener Rechtsanwalt Nickolaus Becker an die Öffentlichkeit gelangt. Darüber hinaus haben offenbar auch Konkurrenten aus der Modebranche, Private-Equity-Häuser sowie wohlhabende Familien aus aller Welt ein Auge auf die verlustreiche Damenmodemarke aus München geworfen. Insolvenzverwalter Gerloff wollte sich zum Stand seiner Verkaufsbemühungen am Donnerstag nicht offiziell äußern.

Escada hatte am 13. August den Antrag auf Insolvenz beim Münchener Amtsgericht gestellt. Der von Vorstandschef Bruno Sälzer eingeleitete Rettungsplan war zuvor gescheitert. Es waren nicht genügend Anleger bereit, auf einen Großteil der Unternehmensanleihe über 200 Mio. Euro zu verzichten, um die Schuldenlast von Escada zu verringern. Trotz zusätzlicher Anreize und Fristverlängerung zogen letztlich nur 46 Prozent der Gläubiger mit. So verfehlte die Firma die notwendige Marke von 80 Prozent. Escada, das im vergangenen Geschäftsjahr rund 582 Mio. Euro umgesetzt hat, kämpft seit langem mit roten Zahlen.

Der Umtausch der Anleihe war das Herzstück des Rettungsplanes für Escada. Nur dann wären die Brüder Michael und Wolfgang Herz als Großaktionäre bereit gewesen, bei der notwendigen Kapitalerhöhung von rund 29 Mio. Euro mitzuziehen. Und nur dann wollten die Banken ihre Kredite verlängern. Offen ist nun, wie viel die Anleihezeichner von ihrem Kapital wiedersehen. Betroffen sind vor allem britische Fonds.

Gerloff steht unter immensem Zeitdruck. In Branchenkreisen hieß es am Donnerstag, bislang sei noch kein Kunde abgesprungen. Vor allem die großen Luxuskaufhäuser in den USA würden die Marke weiter stützen. Je länger sich die Insolvenz hinziehe, desto stärker leide jedoch das Image. Weil die Händler bis Ende November die neue Kollektion fürs nächste Jahr ordern, müsse spätestens bis dahin geklärt sein, wie es weitergehe. Escada verkauft fast 90 Prozent seiner Röcke, Blusen und Jacken im Ausland.

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