Einfuhrquote trifft Unternehmen hart
Chinas Textilindustrie kämpft mit vielen Tricks

In Chinas Bekleidungsindustrie ist trotz des Streits mit Europa und den USA nicht das große Zittern ausgebrochen. Zahlreiche Hersteller reagieren flexibel und verlagern ihre Produktion ins benachbarte Ausland, um so Quotenhürden zu umgehen.

HB PEKING. Für die Näherin Lin Lin ist das Gerede vom „Handelskrieg“ ein Witz. Natürlich hat die 20-Jährige vom Textilstreit mit Europa und den USA gehört. Dennoch sorgt sich die junge Frau nicht um ihren Job. Ihr Arbeitgeber in Shenzhen gilt als einer der guten Arbeitgeber der Branche. Lin Lin ist aus einer entfernten Provinz umgezogen, um hier elf Stunden am Tag zu nähen. Wie viele chinesische Wanderarbeiterinnen. „Hier werden doch ständig Leute gebraucht“, sagt Lin Lin und lacht.

Obwohl die Diskussion um die Pullover-Schwemme aus China die Politik in Europa und Amerika seit Monaten beschäftigt und Peking statt des erhofften freien Marktes neue Quotenhürden erhalten hat, ist in Chinas Textilindustrie nicht das große Zittern ausgebrochen. Viele Firmen hätten sich schon früh auf Mengenbeschränkungen vorbereitet, sagt Shen Yongfang vom Verband der Bekleidungsindustrie in Shenzhen. Die Aufträge seien langfristig unter Dach und Fach.

Denn vor allem große chinesische Textilproduzenten haben ihre Produktion nicht nur auf das heimische Reich konzentriert. Der Hersteller Tack Fat Group aus Hongkong etwa lässt schon lange in Kambodscha fertigen. Das hat dem Lieferanten, der für US-Handelsketten und Marken wie Wrangler näht, in den vergangenen Wochen einen Auftragsboom beschert. US-Abnehmer fragten an, da sie mit Blick auf die schwierigen amerikanisch-chinesischen Textilverhandlungen um ihr Weihnachtsgeschäft fürchten.

Bei Tack Fat reagierte man chinesisch – schnell, flexibel und pragmatisch. Bis Ende März will das Unternehmen seine Produktion um ein Drittel erhöhen und rund 100 Mill. Dollar investieren – weitgehend in Kambodscha. Er habe zu viele US-Kunden abweisen müssen, die noch vor Jahresende um Ware gebettelt hätten, sagt Firmenchef Norman Ho Yik kin. Nun nimmt seine Ware einen Umweg – „made in Cambodia“.

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