Einstieg in Leipzig
Gaz de France greift in Deutschland an

Mit dem geplanten Einstieg bei den Stadtwerken Leipzig treibt der französische Branchenriese Gaz de France (GDF) seine Expansion in Deutschland voran. Nach der Fusion mit dem französischen Partner Suez wird der Konzern auf dem deutschen Markt eine wichtige Rolle spielen – zumal er offenbar bereits weitere Übernahmen im Visier hat.

DÜSSELDORF. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern kauft sich GDF mit hohem Aufwand in den deutschen Markt ein. 520 Mill. Euro hat der Konzern für die 49,9-Prozent-Beteiligung an den Stadtwerken Leipzig geboten und damit die durchaus potenten Konkurrenten Energie Baden-Württemberg, MVV und Vattenfall ausgestochen. „Der Preis erscheint ziemlich hoch“, kommentierten die Analysten von Sal. Oppenheim. Die Stadtwerke würden damit mit dem 13-fachen des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) 2006 bewertet. Das sei ungefähr 20 Prozent mehr als im Branchenschnitt. „GDF bezahlt eindeutig eine strategische Prämie“, sagt Matthias Heck von Sal. Oppenheim.

GDF steigt bei einem größeren Kommunalversorger ein. 2006 erzielte die Stadtwerke einen Umsatz von 1,7 Mrd. Euro. Sie versorgen 320 000 Kunden mit Strom, Gas und Wärme, beschäftigen 2 400 Mitarbeiter und betreiben Gas- und Biomassekraftwerke. Der Leipziger Stadtrat muss den Einstieg aber noch billigen.

GDF ist schon seit 1976 in Deutschland aktiv und deckt inzwischen alle Stufen der Erdgasversorgung von der Produktion über den Transport bis zum Vertrieb an Privat- und Großkunden ab. Über die Töchter Preussag Energie, die das Unternehmen 2003 für eine Mrd. Euro übernahm, und EEG Erdgas Erdöl fördert es Gas und Öl, betreibt Leitungen und Speicher. Mit 32 Prozent ist GDF an der Gasag, die 700 000 Kunden in Berlin und Brandenburg versorgt, und mit fünf Prozent am Gasimporteur Verbundnetz Gas (VNG) beteiligt.

Durch die Fusion mit Suez kommen zusätzliche Vertriebskanäle und Stromaktivitäten hinzu. Suez-Tochter Electrabel arbeitet mit deutschen Kommunalversorgern zusammen und plant den Bau von Kraftwerken.

In Branchenkreisen werden aber schon über die nächsten Coups spekuliert. GDF könnte sich zum einen an Deutschlands Nummer fünf, dem Regionalversorger EWE aus Oldenburg, beteiligen. Dieser ist derzeit auf Suche nach einem potenten Partner. Und GDF hätte eine reizvolle Mitgift: Die EWE, die 48 Prozent an der VNG hält aber jüngst durch Differenzen mit dem bisherigen Konsortialpartner die Kontrolle verlor, käme gemeinsam mit GDF wieder auf eine stabile Mehrheit.

Zum anderen soll GDF nach der Kontrolle bei der Gasag greifen – ebenfalls durch ein Tauschgeschäft, dieses Mal mit Eon. Der Konzern hält indirekt 37 Prozent der Anteile und ist seinerseits an einer Tochter von GDF Suez interessiert: Der belgischen Distrigaz, die der fusionierte Konzern aus kartellrechtlichen Gründen veräußern muss.

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