Elektroautos
Die Stromer legen eine Zwangspause ein

Der zwangsverordnete Volt-Produktionsstopp bei GM war das letzte Indiz: Die Euphorie um Elektroautos ist bei Verbrauchern und Herstellern verflogen. In Genf sucht die Branche nach neuen Erfolgsrezepten.
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GenfNachhaltigkeit bleibe ein wesentliches Ziel, betonte VW-Chef Martin Winterkorn öffentlichkeitswirksam auf dem Konzernabend zum Auftakt des Autosalons in Genf. Europas wichtigster Autobauer müsse sich auch in ökologischer Hinsicht zum führenden Automobilhersteller entwickeln. „Wir machen 2013 zum Jahr der Elektromobilität“, versprach er. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache.

VW-Edeltochter Bugatti präsentiert mit dem Grand Sport Vitesse den „schnellsten Roadster aller Zeiten“, der von einem 1.200 PS starken Verbrennungsmotor auf bis zu 410 Kilometern pro Stunde beschleunigt wird. Auch keine der neun anderen Premieren, die im Lauf des Abends präsentiert werden, verfügt über einen reinen Elektroantrieb.

Von der VW-Tochter Audi ist in naher Zukunft kein Elektroauto für den Massenmarkt zu erwarten. Im Herbst kommt zwar der R8 E-tron, aber dieser Elektroflitze in homöopathischen Mengen ist mehr als Technologieträger zu sehen. „Wir glauben, dass ein Plug-In-Hybrid auf absehbare Zeit die bessere Lösung ist“, sagt Michael Dick, Entwicklungsvorstand bei den Ingolstädtern. „Auch hier haben wir große Einsparpotenziale, aber zu einem deutlich günstigeren Preis als bei einem reinen Elektrofahrzeug.“

Bei einem Gang über die Messe fällt auf, dass die Elektrofahrzeuge aus dem Mittelpunkt verschwunden sind – aber sie sind da. Die Hersteller zeigen nochmals die bekannten Modelle und Studien, die in den vergangenen Monaten das Licht der Welt erblickt haben. Bei Opel steht neben dem Ampera die Studie RAK e, die erstmals auf der IAA im September gezeigt wurde. Toyota hat seine Brennstoffzellen-Studie FCR-V im Dezember auf der Tokyo Motor Show präsentiert, genauso wie das Hybrid-Konzept FT-Bh. 

Das zeigt: Die Hersteller haben ihr Pulver auf den großen Messen der vergangenen Monate verschossen. Ein Concept Car mit Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb jagte das nächste. Das hat die öffentliche Wahrnehmung geprägt. Doch jetzt gilt es für die Hersteller, die Konzepte der Studien in Serienfahrzeugen umzusetzen. Das ist ein langer Prozess, der hinter den Kulissen stattfindet. 

Eine der wenigen echten Elektro-Premieren des Genfer Auto-Salons bestätigt diese These. Am Stand von Infiniti gibt es die Sportwagen-Studie Emerge-E zu sehen. Zwei 204 PS starke E-Maschinen trieben das flache Leichtbau-Coupé an. Wenn die Batterie leer ist, sorgt ein Dreizylinder-Benziner mit 48 PS für neuen Strom. Auf der IAA in Frankfurt wäre Nissans Edelmarke mit diesem Concept Car kaum aufgefallen – so viele neue Studien gab es.

Kommentare zu " Elektroautos: Die Stromer legen eine Zwangspause ein"

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  • Und wann sollte man mit der neuen/alternativen Technologie anfangen, wenn nicht jetzt? Vlt. in 40 Jahren, wenn wir kein Öl mehr haben, und die Weltwirtschaft eingebrochen ist, und wir wieder in Höhlen leben?

    Sei froh, dass es da draußen überhaupt Firmen gibt, die sich der Sache verpflichtet haben. Mir zumindest geben Autos wie der Ampera Hoffnung. Diese zeigen dass sich etwas tut.

  • Bei den Automobilherstellern wußte vom ersten Tag an jeder, daß die Kombination Akku/Elektromotor als Alternative für kraftstoffgetriebene Autos ausscheidet. Trotzdem hat man den Blödsinn mitgemacht. Warum? Offenbar nur, um die von einer inkompetenten Polit-Kaste ausgelobten Subventionen abzugreifen. So türmen sich Fehler auf Fehler und verlorene Milliarden auf verlorene Milliarden. Und an den meisten in den Sand gesetzten Fehlinvestition hängt ein farbiger Anhänger.

    Er ist grün.

  • Das E.auto wurde zurückgestellt, weil der fasst kostenlose A.strom, der sich nicht speichern lässt, nicht mehr zur Verfügung steht. Unklar war auch, wer den Wählern beibringen sollte, dass neben den Subventionen für die Technik die ausfallenden Mineralölsteuern aufzubringen sind.

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