Elektronik-Boom
Deutscher Markt für Hausgeräte wächst trotz Krise

Während Märkte für Waschmaschinen und Trockner weltweit schrumpfen, kaufen deutsche Haushalte weiter. Das lockt die asiatische Konkurrenz. Besonders Japaner und Koreaner drängen mit günstigen Geräten auf den deutschen Markt und rechnen mit einem deutlichen Umsatzschub.
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FRANKFURT/TOKIO. Für die Hersteller von Hausgeräten entwickelt sich Deutschland zum letzten Wachstumsmarkt. Während weltweit die Nachfrage einbricht, investieren deutsche Konsumenten ungebrochen in Haushaltselektrik. Der Heimatmarkt bringt den deutschen Produzenten von Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Elektrorasierern einen Ausgleich für Einbußen im Export. Allerdings lockt die gute Lage auch die Konkurrenz aus Asien. Panasonic, LG und Co. blasen zum Angriff auf die deutschen Hersteller.

„Dem Hausgerätemarkt kann die weltweite Wirtschaftskrise bisher nur wenig anhaben“, sagte Reinhard Zinkann, Sprecher der Hausgeräte-Fachverbände im Branchenverband ZVEI und Geschäftsführender Gesellschafter beim Familienunternehmen Miele. „Die Krise ist bei den Endverbrauchern noch nicht angekommen.“ Der Verband erwartet für dieses Jahr in Deutschland einen Umsatz von etwa 11,5 Mrd. Euro zu Endverbraucherpreisen. Dies entspricht einem Wachstum von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dagegen kriselt das Auslandsgeschäft. Wichtige Märkte wie Russland, Spanien oder Nordamerika schrumpfen zweistellig. Der Export wird nach Einschätzung des ZVEI in diesem Jahr um etwa zwölf Prozent auf ein Volumen von knapp sechs Mrd. Euro fallen.

Der deutsche Markt profitiert vor allem von einem starken Ersatzgeschäft. Nach der Wiedervereinigung wurden viele neue Waschmaschinen, Herde oder Trockner gekauft. Diese Geräte haben jetzt oft ausgedient und müssen ersetzt werden. Dabei greifen die Verbraucher nach Angaben von Zinkann zu hochwertig ausgestatteten und energiesparenden Markengeräten. Und auf diesem Feld sehen sich die deutschen Hersteller noch immer stark. So verbuchte Miele im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 in Deutschland ein Umsatzplus von 7,6 Prozent, während das Auslandsgeschäft um 4,6 Prozent schrumpfte. Die Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH (BSH) rechnet für Deutschland mit einem stabilen Umsatz, während es im Export erneut ein Minus geben wird.

Die Stärke des deutschen Hausgerätemarktes macht ihn für Hersteller aus Asien wie Samsung, Panasonic, LG oder Haier attraktiver. Bisher haben sie hierzulande nach Angaben des Branchenverbandes erst einen Marktanteil von weniger als drei Prozent. Branchenriese Panasonic etwa ist aber inzwischen in Europa in 17 Märkten mit Waschmaschinen und Kühlschränken vertreten. Konzernchef Fumio Ohtsubo will in Europa einen Marktanteil von zehn Prozent mit diesen Produktgruppen erreichen. „Sich auf Japan zu verlassen, wäre nicht sehr aussichtsreich“, sagte Ohtsubo.Panasonic erzielt mit der weißen Ware derzeit etwa ein Sechstel seines Konzernumsatzes von knapp 60 Mrd. Euro. In Euro betreibt der Konzern bisher nur eine Fertigung für Mikrowellen-Herde in Großbritannien.

Die koreanischen Anbieter erwarten derweil in Europa demnächst einen zusätzlichen Schub von einem Freihandelsvertrag mit der EU, der im kommenden Jahr vorläufig in Kraft tritt. Bisher sind Kühlschränke mit einer Einfuhrsteuer zwischen zwei und drei Prozent belastet. Wenn die Hürde in den kommenden Jahren sinkt, werden LG und Samsung ihren Anteil am Markt wohl ausdehnen können. Samsung besitzt seit 2006 bei Stuttgart ein Entwicklungszentrum, in dem Geräte für den europäischen Markt entwickelt werden. Die Produkte kommen zwar noch aus Asien, werden dort aber auf europäisches Design getrimmt.

Der koreanische Anbieter LG betreibt in Polen bereits ein Werk für Kühlschränke. „Unser Heimatmarkt ist so klein, da mussten wir von Anfang an unsere Chancen im Ausland nutzen“, sagt Lee Young-Ha, Leiter der Hausgeräte-Sparte bei LG. Die Koreaner erwarten sich Vorteile von ihrer inzwischen um rund 20 Prozent abgewerteten Landeswährung. Alle Asiaten haben ihren Verkauf in Europa ausgebaut. Der chinesische Anbieter Haier hat erst vor kurzem seinen Vertrieb in der Nähe von Frankfurt verstärkt.

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