Energie
Frankreich forciert Geschäft mit Atomkraft

Der jüngste Störfall in Südfrankreich erschüttert das Vertrauen in die Kernenergie nicht: Den Franzosen ist die deutsche Angst vor der Atomkraft fremd. Präsident Sarkozy will nun die Exporte der Atomindustrie steigern.

PARIS. Frankreich will seine Position als führende europäische Atomnation weiter ausbauen. Jüngstes Beispiel ist die Ankündigung des Versorgers Électricité de France (EDF) bei einer Präsentation in Stuttgart, seine internationale Führungsrolle im Atombereich zu stärken. Der Staatskonzern ist mit 58 Reaktoren der größte Atomstromanbieter der Welt. Jetzt plant er, bis 2020 weltweit mindestens zehn Kraftwerke vom Typ Europäische Druckwasserreaktoren (EPR) zu bauen: In den USA sind vier Reaktoren geplant, in China zwei; vier in Großbritannien.

Die Projekte werden vom französischen Staat unterstützt, Präsident Nicolas Sarkozy will die Exporte der Atomindustrie steigern. Bei jedem Staatsbesuch preist er französische Technik an. In Ländern wie China wetteifern Frankreich und die USA darum, ihre Atomkraftwerke zu liefern. Der französische Konzern Areva hat in China einen Vertrag über zwei EPR-Reaktoren abgeschlossen.

Auch im eigenen Land setzt Frankreichs Regierung auf Atomkraft: In Flamanville am Ärmelkanal wird der erste EPR des Landes gebaut. Er soll im Jahr 2012 ans Netz gehen. Sarkozy kündigte vor einigen Tagen die Errichtung eines zweiten EPR an. Auch in Finnland wird gerade von Areva ein derartiger Reaktor gebaut. Dabei gibt es allerdings Verzögerungen.

Konzerne, die bisher wenig mit Atomkraft zu tun haben, interessieren sich immer mehr für dieses Gebiet. So wollen der italienische Energiekonzern Eni und der französische Ölkonzern Total Atomkraft in den Nahen Osten bringen. Total will hier zusammen mit dem französischen Nuklearkonzern Areva Kraftwerke errichten. Ein Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten sei bereits abgeschlossen, sagte Total-Chef Christophe de Margerie.

Als Margerie im vergangenen Jahr davon sprach, dass Total in die Nuklearindustrie expandieren könnte, sah er das als langfristige Möglichkeit. Doch dann hat er die Strategie schneller als erwartet vorangetrieben. Indem er die Nuklearenergie in den Nahen Osten bringt, hofft Margerie, einen Zugang zu den Öl- und Gasreserven in der Region zu erlangen. Hintergrund für den Umschwung und das neu erwachte Interesse an der Atomenergie ist der hohe Ölpreis.

Auch der italienische Konzern Eni will Nuklearprogramme im Nahen Osten voranbringen. Die Region leidet unter Gasmangel, obwohl in den Lagerstätten genug Gas vorhanden ist. Allerdings wurde dort nicht genug investiert.

Frankreich hat nie an einen Ausstieg aus dem Atomstrom gedacht; 80 Prozent der Elektrizität kommen aus dieser Quelle. Furcht vor der Atomkraft haben die Franzosen nicht, die deutsche Angst ist ihnen völlig fremd. Ein Atomunfall am Dienstag zeigte ihnen Mitte der Woche dennoch die Grenzen auf: In Tricastin in Südfrankreich trat in einer Anreicherungsanlage von Kernbrennstäben Uran aus und verursachte Strahlungen. Der Unfall wurde wie eine Nebensache behandelt. Die Bevölkerung wurde zunächst nicht gewarnt. Dann hieß es seitens der Behörden, "es sei nicht so gefährlich". Dennoch untersagten diese schließlich den Verzehr von Fischen und den Genuss von Trinkwasser aus der Region.

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