Energiebranche
EnBW will bei Gashändler Verbundnetz Gas einsteigen

Der Energiekonzern EnBW kauft dem Regionalversorger EWE einen Anteil von 48 Prozent des Gashändlers VNG ab - doch die kartellrechtliche Prüfung könnte schwierig werden. Denn das Bundeskartellamt befürchtet eine zu große Marktmacht.

DÜSSELDORF. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) will mit einem großen Zukauf im Gasgeschäft expandieren. Deutschlands drittgrößter Energiekonzern greift nach einem Anteil von 48 Prozent an einem der größten deutschen Gasimporteure und-händler, der ostdeutschen Verbundnetz Gas (VNG). Mit dem bisherigen Eigentümer, dem Oldenburger Regionalversorger EWE, hat sich das Unternehmen bereits geeinigt. Die Prüfung durch das Bundeskartellamt dürfte aber kritisch werden.

Über den Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Er liegt nach Angaben aus Unternehmenskreisen "im Milliardenbereich". Für EnBW, die bislang vor allem in Stromproduktion und-vertrieb stark ist, aber eine schwache Gassparte hat, wäre der Zukauf strategisch sinnvoll. VNG ist hinter Eon Ruhrgas und Wingas der drittgrößte deutsche Gasimporteur und hat einen Marktanteil von rund 15 Prozent. Das Unternehmen, das Großkunden aus der Industrie sowie Stadtwerke beliefert, setzt über vier Mrd. Euro um. EnBW strebt eine strategische Partnerschaft an.

Die EWE will mit dem Ausstieg einen Schlussstrich unter einen langen Streit um die Macht bei VNG ziehen. Das Unternehmen hatte vor rund zwei Jahren die Kontrolle verloren, weil sich Vorstandschef Werner Brinker mit der VNG-Führung und dem zweitgrößten Aktionär, einem Verbund von zwölf ostdeutschen Kommunen, die 26 Prozent kontrollieren, überwarf. Nachdem diese einen Konsortialvertrag kündigten, versuchte EWE zwar Anteile aufzukaufen, der Versucht scheiterte aber.

EnBW dürfte jetzt versuchen, mit den Kommunen einen neuen Konsortialvertrag zu schließen. "Wir laden alle Gesellschafter der VNG ein, die VNG gemeinsam und partnerschaftlich weiterzuentwickeln", sagte EnBW-Chef Hans-Peter Villis.

Der EWE dürfte der Verkauf an die EnBW vergleichsweise leicht fallen, weil die beiden Unternehmen ihrerseits eine strategische Allianz planen. EnBW will 26 Prozent an der EWE, einem der größten deutschen Regionalversorger, erwerben.

Allerdings stößt die Verbindung schon jetzt auf Bedenken des Bundeskartellamts. Die Wettbewerbsbehörde kritisiert vor allem die Marktmacht der beiden Unternehmen auf dem ostdeutschen Gasmarkt, wo EnBW an Gasversorgern beteiligt ist. Diese Bedenken dürften nicht kleiner werden, wenn EnBW die VNG demnächst direkt kontrolliert.

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