Energiebranche
Eon steigt in Frankreichs Nuklearmarkt ein

Der deutsche Energiekonzern Eon steigt in den französischen Atommarkt ein. Das Unternehmen steht kurz vor dem Abschluss eines weitreichenden Abkommens mit dem französischen Wettbewerber Électricité de France (EDF). Die Konkurrenten werden Anteile an Kraftwerken tauschen, wie das Handelsblatt und dessen Partnerzeitung "La Tribune" aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen erfuhren.

PARIS/DÜSSELDORF. Demnach wird Eon Erzeugungskapazitäten in französischen Kernkraftwerken von rund 800 Megawatt übernehmen. Zum einen erhält der deutsche Konzern Zugang zu den Reaktoren in Fessenheim an der Grenze zu Baden-Württemberg und Cattenom in der Nähe von Luxemburg. Auch könnte er Kapazitäten des geplanten neuen Reaktors bekommen, der ab 2012 im nordfranzösischen Penly gebaut werden soll.

Das Engagement ist zwar nicht besonders groß. Die Kapazitäten entsprechen in etwa denen von Eons Kernkraftwerk Isar 1 bei München, das 1977 ans Netz ging, moderne Anlagen haben über 1 000 Megawatt. Für Eon-Chef Wulf Bernotat hat es aber Symbolkraft. Während Eon in Deutschland nach wie vor an den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie gebunden ist und auch die Hoffnungen auf eine Revision nach der Bundestagswahl schwinden, treibt Bernotat die umstrittene Technik im Ausland bewusst voran. Im April hatte sich Eon bereits gemeinsam mit RWE lukrative Standorte für den Bau neuer Kernkraftwerke in Großbritannien gesichert.

Eon wie RWE versuchen so, trotz der politischen Stimmungslage in Deutschland den Anteil der CO2-freien Kernenergie in ihrem europaweiten Energiemix hoch und die Kosten durch den Klimaschutz gering zu halten. Für ihre Kohlekraftwerke müssen sie wegen des Emissionshandels jährlich mehrere Hundert Millionen Euro für den Kauf von Emissionszertifikaten ausgeben.

Durch den Deal mit EDF verbessert Eon die Klimabilanz deutlich. Im Gegenzug will der Konzern den Franzosen und deren deutscher Tochter Energie Baden-Württemberg (EnBW) Anteile an Kohlekraftwerken überlassen. Ein Eon-Sprecher lehnte auf Anfrage zwar einen Kommentar ab. Vorstandschef Bernotat hatte im Juli aber zumindest schon Verhandlungen mit EDF bestätigt.

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