Energiekonzern
Dong legt deutsches Windparkprojekt auf Eis

Tennet und mangelnde Regelungen zur Haftung sind Schuld: Dänemarks Energiekonzern Dong setzt den Windpark-Bau vor der Nordseeinsel Borkum aus. Die Niederländer von Tennet sehen indes die Politik in der Pflicht.
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Kopenhagen/FrankfurtRückschlag für die Pläne der Bundesregierung zum Ausbau der Windkraftwerke auf hoher See: Der dänische Energiekonzern Dong stoppt den milliardenschweren Bau eines Windparks vor der Nordseeinsel Borkum und gibt dem Stromnetzbetreiber Tennet und mangelnden Haftungsregeln die Schuld. "Wir sind gezwungen, Entwicklung und Bau des Projekts Borkum Riffgrund II auszusetzen", sagte der Deutschland-Chef von Dong Energy, Christoph Mertens, der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag.

Da der Netzbetreiber Tennet kein Datum für den Anschluss des Parks ans Stromnetz genannt habe, könne Dong den Netzbetreiber nicht zur Verantwortung ziehen, wenn die Anlagen nach Fertigstellung nicht angeschlossen würden, erläuterte eine Dong-Sprecherin. Das Unternehmen bestätigte damit einen Bericht des Magazins "Der Spiegel". Eine Gesetzesnovelle zu Windparks auf See soll am Montag bei einer Anhörung im Bundestag mit Experten und Lobbyisten beraten werden.

Die Firmensprecherin sagte, Dong werde nun statt dessen ein Projekt in Großbritannien vorziehen. Das Unternehmen strebe eine Einigung mit den Zulieferern für Riffgrund II an, denen nun entsprechende Aufträge entgehen. Nicht äußern wollte sie sich zu Informationen des Magazins, wonach Dong die Bestellung von 97 Windrädern bei Siemens vorläufig storniert habe. Von Siemens war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Riffgrund II wäre das zweite von insgesamt sechs Offshore-Vorhaben des dänischen Konzerns gewesen. In den Windpark mit einer veranschlagten Leistung von 340 Megawatt - etwa ein Drittel der Leistung eines Atomkraftwerks - wollte Dong 1,3 Milliarden Euro investieren.

Für den Schwesterprojekt Riffgrund I mit einer Investitionssumme von 1,2 Milliarden Euro und einer geplanten Leistung von 277 Megawatt haben die Vorbereitungen an Land bereits begonnen. Die Arbeiten auf See sollen nach Angaben der Sprecherin im Sommer 2013 starten. "Wir glauben weiterhin an den deutschen Offshore-Wind-Markt, deshalb bleibt Deutschland ein wesentlicher Teil unserer Strategie", erklärte Mertens.

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  • Zitat: "Allerdings kann ein KKW etwa 90%, oder 8000 Vollaststunden betrieben werden."

    Es mag sein, dass die Wasserkocher 8000 Volllaststunden im Jahr erreichen KÖNNEN; das tun sie aber nicht.

    Kernkraftwerke hatten z.B. 2009 im Schnitt 6230h Laufzeit, Braunkohlekraftwerke 6640h, Biomasse ca 5000h.

    Und im Gegensatz zu Windkrafwerken Offshore, bedeutet bei den nicht geregelten KKW und Braunkohlekraftwerken die Zeit außerhalb der Volllaststunden, dass dort dann überhaupt kein Strom produziert wird.

    Windparks haben die höchste technische Verfügbarkeit aller Kraftwerke und Windparks und haben Onshore die geringsten Stromgestehungskosten. Dieser Vorsprung wird sich weiter erhöhen.

  • Schlimm, wie wenig differenziert in Deutschland gedacht und gehandelt wird und wie mächtig die jeweiligen Lobbyisten hier sind. Zunächst wird der Ausstieg aus der Kernenergie rundweg abgelehnt, dann im ebenso idiotischen Hauruckverfahren von heute auf morgen beschlossen, wobei gleichzeitig der umweltverträglichen und geräuschlosen Solarengerie die Mittel entzogen und dafür aberwitzige Summen in die ineffiziente und nachhaltig natur-, wasser- und landschaftzerstörende Erdwärmenutzung zwecks Stromgewinnung durch Gigabohrungen und -werke geschüttet, die ganze Regionen erbeben lassen, oder in Gigawindanlagen im Meer, wo sie unter Wasser durch ihr ständiges Gewummer sämtliche Meeresbewohner zum Wahnsinn und zur Orientierungslosigkeit treiben und über Wasser die Vogelschwärme wegrasieren und in die Irre leiten. Ein Wahnsinn, der nicht nur von Schwarz-Gelb, sondern ebenso von Rot-Grün betrieben wird, man sehe sich nur mal die regionalen Abstimmungsergebnisse zum Thema an. Mich kann man mit diesen Geld- und Umweltvernichtungsparteien nur noch jagen. Zum Glück gibt es wirtschaftskompetente Alternativen, die sich herauszubilden beginnen. Sonst muss man halt je nach Region seine Protestpartei wählen.

  • Hi Energystar..wenn man zig-Milliarden für nutzlosen Zufallsstrom ausgibt, muss dies jemand bezahlen.

    Die Marxisten weisen dann auf einen Anderen den man ausrauben möge und der sich idealerweise nicht wehren kann, in diesem Beispiel die Industrie.

    Allerdings werden viele Industriebetriebe sicherlich keine Kosten für Oekostrom tragen können..O Ton Trimet Aluhütte..wir könnten mit der EEG Umlage nicht existieren..
    Andere Betriebe wie Verkehrsbetriebe würden die Zusatzkosten unverzüglich an die Kundschaft weiterreichen.

    Die Unternehmen haben keine ausserirdischen Geldquellen. Alle Steuern, Abgaben und Auflagen werden am Ende vom Kunden bezahlt, oder wenn sich dies nicht umlegen lässt, müssen die Mitarbeiter ein wenig schneller ins Hamsterrad treten.

    Vandale

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