Energiemarkt
Wer kauft die Stromnetze?

Der Energiemarkt ist in Bewegung: Nach der überraschenden Ankündigung des Energiekonzerns Eon, sein Hochspannungsnetz zu verkaufen, prüfen auch die anderen großen deutschen Versorger eine Trennung von ihren Netzen. Nach dem Vorstoß von Eon ist ein Streit über geeignete Käufer entbrannt - auch die Gründung einer Netz-AG scheint im Bereich des Möglichen.

BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Besonders weit fortgeschritten seien die Überlegungen bei Vattenfall Europe, erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen. Der überwiegend in Nord- und Ostdeutschland aktive Versorger sondiere bereits den Markt nach potenziellen Käufern für sein Netz und habe dazu Investmentbanken und Berater angesprochen. Bei Vattenfall hieß es, eine Entscheidung sei bisher nicht gefallen. Ein Unternehmensvertreter räumte aber ein, dass Vattenfall die Möglichkeit eines Verkaufs seines deutschen Übertragungsnetzes prüfe.

Auch RWE gerät durch den Deal von Eon mit der EU-Kommission unter Druck. Eon hatte am Donnerstag angekündigt, sich von seinem Netz zu trennen, um einer drohenden milliardenteuren Kartellstrafe aus Brüssel zu entgehen. Auch gegen RWE ermittelt Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wegen Kartellverstößen. In den kommenden Wochen wolle sie ein förmliches Verfahren gegen RWE eröffnen, erfuhr das Handelsblatt aus Kommissionskreisen. Unter anderem werde dem Essener Konzern vorgeworfen, Konkurrenten beim Netzzugang behindert zu haben, hieß es.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer hohen Kartellstrafe auch für RWE und zugleich der Anreiz, wie Eon der Buße durch einen Deal mit Kroes zu entgehen. Ein RWE-Sprecher betonte, man wolle das Übertragungsnetz behalten. RWE stehe nicht im Gespräch mit der Kommission über einen Verkauf.

Nach dem Vorstoß von Eon ist zudem ein Streit über den geeigneten Käufer des Netzes entbrannt. Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat regte im "Spiegel" die Gründung einer Netz AG an, an der sich verschiedene Investoren beteiligen. Der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, forderte die Einrichtung einer vom Staat organisierten privaten Stiftung als Eigentümerin des Netzes. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte eine Übernahme durch den Staat ab. "Die Verstaatlichung des Netzes habe ich nicht im Auge", betonte sie.

Die EU-Kommission hat Eon strenge Auflagen für den Verkauf des Netzes gemacht. So dürfen andere Energieproduzenten die Leitungen nicht erwerben, sondern nur reine Netzbetreiber wie das britische Unternehmen National Grid oder Finanzinvestoren sind als Käufer zugelassen. Damit ist unter anderem ein Erwerb des Eon-Netzes durch den russischen Versorger Gazprom ausgeschlossen. Auch Versorger aus der EU wie die französische EDF, die italienische Enel oder der spanische Mischkonzern ACS fallen deshalb unter das Kaufverbot.

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