„Energiepakt für Deutschland“ gefordert
RWE-Chef Großmann will Konflikt beenden

Der neue RWE-Chef Jürgen Großmann hat gefordert, die aktuelle Konfrontation zwischen Industrie, Energiewirtschaft und Politik müsse ein Ende haben. Der Vorstandsvorsitzende des zweitgrößten deutschen Energieversorgers bemüht sich Gräben zu überbrücken, die durch die Ankündigung weiterer Preiserhöhungen aufgerissenen wurden.

HB HANNOVER. „Wir können so nicht weitermachen“, sagte Großmann laut Redemanuskript am Mittwoch einen Monat nach seinem Amtsantritt auf den Niedersächsischen Energietagen in Hannover. Damit gibt er sich als erster Vertreter der großen deutschen Energieversorger versöhnlich. Selbstkritisch meinte der neue RWE-Chef: „Ich kann mich kaum erinnern, dass jemals eine Branche so in der Öffentlichkeit am Pranger gestanden hat, wie derzeit die Energiewirtschaft.“ In der Energiewirtschaft sei der Irrglaube verbreitet, „mit juristischen Gutachten und ökonomischen Expertisen eine Ausgangstür von der öffentlichen Anklagebank weg zu finden. Das wird sie aber nicht.“

Notwendig sei vielmehr mehr Transparenz der Stromkonzerne gegenüber den Kunden und eine Rückkehr aller Beteiligten an den Verhandlungstisch. Energiewirtschaft, Industrie, Politik und Verbraucher sollten sich – möglichst noch in diesem Jahr – an einen Tisch setzen, schlug der Manager vor. Damit mehr herauskommt, als bei früheren Energiegipfeln soll nach Meinung Großmanns das Treffen wie ein Konklave zur Papstwahl erst zu Ende gehen, wenn ein Ergebnis erzielt worden ist und „weißer Rauch aufsteigt“.

Bei aller Selbstkritik hielt Großmann allerdings an den auch von RWE zum Jahreswechsel angekündigten Strompreiserhöhungen fest. „Wir werden gegenüber der Öffentlichkeit unsere Preiserhöhungen zum 1.Januar 2008 darstellen und im einzelnen begründen“, meinte er.

Als wichtigsten Beitrag der Stromkonzerne zum Energiepakt nannte Großmann Investitionen in moderne Kraftwerke sowie konkrete Abschaltpläne für weniger effiziente Altanlagen, den Ausbau der erneuerbaren Energien und höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Großmann forderte aber gleichzeitig auch eine größere Ehrlichkeit der Politik, wenn es um staatlich verursachte Preiserhöhungen gehe. Er betonte, durch die beschlossenen Maßnahmen zur CO2-Minderung und andere geplante Beschlüsse werde der Staatsanteil an der Stromrechnung für den Privathaushalt schon bald auf 50 Prozent steigen. Außerdem müsse die Politik Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen.

Ein Umdenken verlangte Großmann auch im Bereich der Kernenergie. Es sei an der Zeit sich einzugestehen, „dass ein vorzeitiger Ausstieg eine Vernichtung von Volksvermögen und der Verzicht auf wesentliche Möglichkeiten der CO2-Minderung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist“.

Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) begrüßte Großmanns Vorschlag für einen Neustart der energiepolitischen Gespräche in Deutschland. „Das ist der lange überfällige Abschied von Denkverboten in der Energiedebatte“, sagte sie der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ, Donnerstagausgabe). „Wir brauchen einen offenen ergebnisorientierten Dialog und dann gemeinsame Lösungen“, sagte die CDU-Politikerin.

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