Entscheidung über Arbeitsaufnahme in Bochum
Wilder Streik am Mittwoch beendet?

Der wilde Streik im Opel-Werk Bochum legt auch die Produktion in zwei anderen Werken lahm. Am Mittwochvormittag soll nun entschieden werden, ob die Produktion wieder aufgenommen wird. Die Spätschicht entschied, dass auch die Belegschaft der Nacht- und Frühschicht an diesem Beschluss beteiligt werden müsse.

HB RÜSSELSHEIM/ANTWERPEN/BOCHUM. Im Verlauf des Tages hatten rund 50 000 Menschen an den Standorten von Opel und anderen Töchtern von General Motors (GM) in Europa gegen einen drohenden Arbeitsplatzabbau protestiert. Bundesregierung und IG Metall äußerten sich zuvor optimistisch, eine Einigung am Verhandlungstisch zu erzielen. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte in Berlin, er begrüße dass die Verhandlungen bei Opel begonnen hätten. SPD-Chef Franz Müntefering unterstrich, er sehe gute Chancen, dass im Verlauf dieser Woche konkrete Gespräche über die Standortsicherung in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern aufgenommen würden, sowie über das Risiko betriebsbedingter Kündigung.

IG Metall-Chef Jürgen Peters verwies auf einen Brief der Opel- Unternehmensführung an die IG Metall-Spitze. Darin hatte sich das Management zu einer Lösung bereit erklärt, um die Fortführung der gefährdeten Standorte über 2010 hinaus zu sichern. In dem Brief heißt es: „In den Verhandlungen verfolgen beide Parteien das erklärte Ziel, die Standorte Rüsselsheim und Bochum soweit wettbewerbsfähig zu machen, dass sie über 2010 hinaus als Automobilwerke erhalten werden können. Dies bezieht sich sinngemäß auch auf das Werk Kaiserslautern.“

Peters solle auf die Mitarbeiter in Bochum einwirken, um eine Situation zu schaffen, in der eine Lösung für die Zukunft des Standortes gefunden werden könne, hieß es in dem Brief. Der Opel-Vorstand hatte am Montag mit dem Gesamtbetriebsrat über die Sparpläne verhandelt. Weitere Gespräche sollen bald folgen. Gesamtbetriebsratchef Klaus Franz sagte, es seien schon eine Reihe neuer Verhandlungsrunden ausgemacht. „Den nächsten Termin wird es relativ zügig geben“, ergänzte er ohne Einzelheiten zu nennen.

Opel soll als Reaktion fristlose Kündigungen erwägen

Der seit vergangenen Donnerstag anhaltende wilde Streik in Bochum legte inzwischen auch die Produktion in Rüsselsheim und im belgischen Antwerpen lahm. In Rüsselsheim griff Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz das Management des Mutterkonzerns scharf an, zeigte sich aber bereit zu weiteren Verhandlungen. Er sagte vor rund 20 000 Opelanern: „Kein Manager hat es sich je erlaubt, so über die eigenen Marken herzuziehen wie die Bosse von GM in Detroit und Zürich“ In einer gemeinsamen Erklärung von Gesamtbetriebsrat und Opel- Management bekannten sich beide Seiten zu dem Ziel, die Opel-Werke Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern langfristig zu erhalten. Die Standorte sollten soweit wettbewerbsfähig gemacht werden, dass sie auch über 2010 hinaus bestehen könnten. Dies ist das erste Ergebnis der am Montag begonnenen Verhandlungen über die Sanierung, der nach Angaben von General Motors bis zu 12 000 Arbeitsplätze in Europa zum Opfer fallen könnten. Die Gespräche sollen am Donnerstag fortgesetzt werden. Die Arbeitnehmerseite fordert Garantien für die Werke und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Da General Motors europaweit in einem Fertigungsverbund arbeitet, können die Bochumer Opel-Arbeiter auch die Produktion in anderen Werken lahm legen. Am Opel-Hauptsitz in Rüsselsheim wurde die Vectra- Fertigung wegen fehlender Zulieferungen gestoppt. Zuvor hatte bereits das Werk Antwerpen mitgeteilt, die Bänder wegen Teilemangels abzuschalten. In Rüsselsheim werden täglich 700, in Antwerpen 1100 Autos gebaut. In Bochum haben die wilden Streiks die Produktion von rund 2000 Fahrzeugen verhindert. Der Umsatzausfall beträgt Schätzungen zufolge einen zweistelligen Millionenbetrag.

Nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ erwägt Opel als Reaktion auf die wilden Streiks fristlose Kündigungen in Bochum. Die Kündigung „mutmaßlicher Rädelsführer“ des wilden Streiks solle mit Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz begründet werden, schrieb die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf informierte Kreise. Opel wollte den Bericht nicht kommentieren.

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