Erfolgreiche Finanzierungsrunde bei Biovertis
Junge Biotechfirmen sehen Chancen bei Antibiotika

Während sich große Pharmakonzerne aus der Antibiotika-Forschung weitgehend verabschiedet haben, suchen einige kleinere Biotechfirmen in dieser Lücke nun ihre Chance. Finanziellen Rückhalt finden sie in der Risikokapital-Branche.

FRANKFURT/M. So hat sich die junge Wiener Biovertis AG, eine Ausgründung des Impfstoff-Spezialisten Intercell, in einer Erstrundenfinanzierung 12 Mill. Euro gesichert. Hauptgeldgeber sind die TVM Techno Venture Management und die österreichische Kapital & Wert-Gruppe. Bereits vor wenigen Monaten holte die Schweizer Apida mehr als 30 Mill. Euro herein, ebenfalls für die Erforschung neuer antibakterieller Wirkstoffe. Und mit der Schweizer Basilea und der amerikanischen Firma Advancis ist im ersten Halbjahr zwei Antibiotika-Spezialisten auch der Gang an die Börse gelungen.

Die Biotechfirmen und ihre Geldgeber setzen zum einen darauf, dass sich in dem von „Big Pharma“ hinterlassenen Vakuum neue Spielräume eröffnen. „Wenn in dem Forschungsspektrum der großen Arzneimittelhersteller Lücken entstehen, bieten sich damit interessante Möglichkeiten für die Biotechbranche“, sagt Alexandra Goll, Partnerin bei TVM. Zum anderen vertrauen sie darauf, mit neuen Technologien überlegene Produkte zu entwickeln. Biovertis etwa will Know-how aus der Impfstoff-Forschung von Intercell nutzen, um Antibiotika mit neuartigen Wirkprinzipien zu entwickeln. Eine Reihe neuer molekularer Angriffspunkte hat das Unternehmen nach eigenen Angaben identifiziert. Bis 2006 hofft der neue Biovertis-Chef Erich Felber den ersten Wirkstoffkandidaten in die klinische Prüfung zu bringen.

Ähnlich wie mehrere Konkurrenten zielt auch Biovertis vor allem auf Wirkstoffe gegen Keime, die gegen herkömmliche Antibiotika resistent sind. Solche Erreger, wie sie vor allem in Krankenhäuser auftreten, gelten als große Gefahr. Die amerikanische Gesellschaft für Infektionskrankheiten (IDSA) etwa beklagt eine „wachsende Diskrepanz zwischen medizinischem Bedarf und Angebot auf dem Markt.“

Ungeachtet solcher Warnungen haben etablierte Pharmahersteller das Interesse an dem mehr als zehn Mrd. Dollar großen Antibiotikamarkt in den letzten Jahren weitgehend verloren. Selbst Großkonzerne wie Pfizer oder Glaxo-Smithkline forschen kaum noch auf dem Gebiet und konzentrieren sich statt dessen eher auf neue Therapien gegen Virusinfektionen wie Aids oder Hepatitis sowie auf chronische Krankheiten wie Krebs, Asthma oder Diabetes.

Das dürfte unter anderem an dem bereits sehr intensiven Wettbewerb auf dem Gebiet liegen. Viele Antibiotika wie etwa die Penizilline sind längst patentfrei. Zudem haben mit Ciprobay (Bayer), Augmentin (Glaxo-Smithkline) sowie Rocephin (Roche) in jüngerer Zeit drei weitere umsatzstarke Mittel den Patentschutz verloren. Das Marktpotenzial von Neuentwicklung erscheint vielen Pharmakonzernen zu gering.

Zum anderen liegen die Hürden für weitere Verbesserungen auf dem Gebiet relativ hoch. Diese Erfahrung haben inzwischen auch Biotechfirmen gemacht, wie jüngst etwa die amerikanische Intrabiotics. Deren Hauptprodukt, ein neues Mittel gegen Lungenentzündungen, scheiterte in der abschließenden klinischen Prüfung auf Grund von Nebenwirkungen. Eine herbe Enttäuschung musste im Frühjahr auch die Schweizer Basilea verkraften, als der Pharmariese Roche darauf verzichtete, die Option auf ein neuartiges Breitband-Antibiotikum auszuüben.

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