Erneuerbare Energien
Bei Siemens geht die Sonne unter

Noch vor kurzem galt es als Zukunftshoffnung, jetzt zieht sich Siemens aus dem Solargeschäft komplett zurück. Wasser- und Windenergie sollen das Image des "grünen Konzerns" retten.
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„Bei Siemens scheint künftig die Sonne“, hatte Konzernchef Peter Löscher noch im Herbst 2009 die Übernahme der israelischen Solarfirma Solel Solar Systems gefeiert. Doch nun steht die Solarsparte des Konzerns vor einer Sonnenfinsternis. Siemens steigt aus der Solartechnik aus. Im Zuge des anstehenden Sparprogramms solle das Geschäft verkauft werden, teilte der Konzern am Montag mit. Bei den erneuerbaren Energien werde sich das Unternehmen künftig auf Wind- und Wasserkraft konzentrieren, hieß es. Die Erwartungen an die Solarenergie hätten sich nicht erfüllt.

Der Bereich Solar & Hydro, der nun aufgelöst werden soll, beschäftigte zuletzt 800 Mitarbeiter, davon 200 in Deutschland. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte er einen Umsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.

Der Konzern hatte sich vor allem auf den Bereich Solarthermie konzentriert. Bei dieser Technik wird mit Hilfe der Sonnenstrahlen Wasser erhitzt, sodass es verdampft. Der Dampf treibt dann Generatoren an, die Strom erzeugen. Bei der Photovoltaik-Technik wird hingegen direkt mit den Sonnenstrahlen Strom produziert, der dann ins Netz eingespeist werden kann.

Für die Betreiber dieser Anlagen winken durch die Förderung der Erneuerbaren Energien hohe Vergütungssätze.

Obwohl die Photovoltaik-Industrie derzeit mit Überkapazitäten und Preisverfall kämpft, wird der Markt langfristig weiter wachsen. Der europäische Photovoltaik-Industrieverband EPIA schätzt, dass der weltweite PV-Markt bis 2016 auf 38,8 bis 77,3 Gigawatt (GW) wächst. Im Vergleich dazu sieht es auf dem Markt für Solarthermie düster aus.

„Der globale Markt für Solarthermie ist von vier Gigawatt auf zuletzt etwas über ein Gigawatt zurückgegangen. Hier werden künftig Spezialanbieter ihre Stärken ausspielen können“, sagte Michael Süß, Mitglied des Vorstands von Siemens und Chef des Sektors Energy.

Im Herbst 2009 war man bei Siemens noch voller Hoffnung. „Durch den Kauf des israelischen Unternehmens Solel sind wir technologischer Weltmarktführer für Solarthermie“, sagte Löscher noch Ende 2009. Und auch der damalige Bundespräsident Christian Wulff war voll des Lobes: „Was man hier sieht, ist Weltspitze und eine wirkliche Investition in die Zukunft“, sagte er bei einem Besuch in Israel.

Was damals noch niemand wusste: Siemens hatte auf das falsche Pferd gesetzt.

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  • Fortsetzung:

    Also: Weg mit den Subventionen! Die Themen privater Eigenverbrauch und private Speicherung müssen angegangen und vorangetrieben werden! Hierzu ist allerdings weniger Gejammere und dafür mehr Ärmel hochkrempeln und Erfindergeist notwendig.

    Das Thema Entsorgung wird hier ebenfalls immer wieder als unüberwindbar erwähnt: Ein PV-Modul besteht im Wesentlichen aus Glas und Aluminium, ein wenig schwach dotiertem Silizium, ein paar Zentimeter Kupferkabel, ein wenig Kunststoff und noch etwas Silikongel. Alle Substanzen sind primär zumindest schon mal nicht radioaktiv! Und warum bitteschön soll sich ein Solarpanel nicht recyceln lassen? Das Aluminium des Rahmens wird sich ja wohl noch ablösen lassen. Eine Vorrichtung, welche die Zellen automatisiert vom Glas abkratzt, sollte für deutsche Ingenieure auch kein unüberwindbares Hindernis darstellen. Das Kabel zwicken wir vorher noch ab. Glas und Alu schmelzen wir wieder ein, der Rest (gewichtsmäßig nur noch ein paar Prozent) führen wir dem thermischen Recycling zu. Und wer nun behauptet, dass die Dotierungsstoffe im Silizium (meistens Bor und Phosphor) so gefährlich und giftig sind, dem sei gesagt, dass ganz normaler Sand (der Ausgangsstoff für Silizium) von Natur aus wesentlich stärker damit dotiert ist.

    Eines stimmt tatsächlich: Bislang gibt es keine Recyclinganlagen für gebrauchte PV-Module. Dies dürfte im Wesentlichen daran liegen, dass die PV-Technik extrem langlebig ist – ganz im Gegensatz zum Consumer-Bereich, wo jedes Jahr trotz voller Funktion ein neues Smartphone her muss und alle zwei Jahre ein neues TV-Set mit nochmals ein paar Zoll Bildschirmdiagonale mehr.

    Und woher habe ich all diese Weisheiten? Ganz einfach - schließlich darf ich als Ingenieur in der Entwicklung eines der Top 10-Unternehmen dieser Branche mitarbeiten - und ich schätze die Zukunft meiner Company bzw. meines Arbeitsplatzes auch ganz ohne Subventionen als überaus rosig ein!

    Mit sonnigen Grüßen, Nerd62

  • Also ich verstehe nicht, was dieses polemische Geschimpfe auf die Photovoltaik an dieser Stelle soll.

    Die Einspeisevergütung für PV-Strom ist von 47 ct/kWh im Jahre 2008 auf etwa 20 ct/kWh im 2. Halbjahr 2012 zurückgegangen - wir können also davon ausgehen, dass es demnächst gar keine Vergütung mehr geben wird. Viele wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Atomstrom früher sehr wohl stark subventioniert wurde und auch noch heute durch Unterschlagung der Entsorgung des Atommülls weiterhin begünstigt wird. Die realen Kosten würden bei 40..70 ct/kWh liegen. Ob diese Zahlen stimmen, weiß ich nicht.

    Aber über etwas Anderes weiß ich sehr genau Bescheid: Das sind die Gestehungskosten für Photovoltaikstrom! Anfang 2013 werden private Endkunden etwa 26 ct/kWh Strom zahlen, wohingegen man mit einer guten, sauber dimensionierten PV-Anlage dann bereits ab 20 ct/kWh Strom produzieren kann - die Differenz beträgt also bereits 6 Cent pro Kilowattstunde, Tendenz steigend! Anfang 2012 war der Pari-Punkt bereits erreicht. Industriebetriebe in Spanien haben dies bereits schon 2011 vorausgesehen und bauen sich mittlerweile PV-Anlagen für den reinen Eigenbedarf aufs Dach - nur um ihre Energiekosten zu senken! Die PV-Energieerzeugungskurve deckt sich übrigens perfekt mit dem Energiebedarf üblicher produzierender Betriebe.

    Wenn irgendwo (sogar ohne Subventionen!) eine nutzbare Preisdifferenz da ist, sollten eigentlich alle Kaufleute von den "religiös" oder "ideologisch" motivierten Ideologien und Argumente, die hier leider so vehement zitiert werden, absehen und schauen, dass sie auf den Zug aufspringen. Die PV-Energie hat also durchaus eine Chance - und vielleicht sollten die Stadtmenschen mal wieder auf's Land fahren, denn dort sind bereits viele Dächer blau!

    Fortsetzung folgt ...

  • ringo

    gut getroffen, mengen und schadstoffmäßig sind die solarplatten mindest so schädlich wie atom-müll auch nicht zu vergessen unser dämm-wahn an den häusern, die hersteller leben hoch und sollten nicht vergessen die weihnachtsfeier unserer abgeordneten zu sponsern.
    weiterso im grünen wanderzoo

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