Erste rein chinesische Leistungsschau in Düsseldorf
China präsentiert sich den Deutschen

Chinesische Unternehmen nehmen den deutschen Markt ins Visier. In Düsseldorf hat am Montag mit der „China Sourcing“ die erste Messe mit ausschließlich chinesischen Ausstellern die Tore geöffnet. Bis zum 14. September präsentieren 200 Unternehmen aus dem Reich der Mitte mehr als 12 000 Produkte, hauptsächlich aus den Sparten Haushaltsgeräte, Baumarktbedarf, Automobilzubehör und Sanitärausstattung.

HB DÜSSELDORF. „Ziel ist, dem deutschen Groß- und Einzelhandel ein repräsentatives Spektrum chinesischer Produkte zu präsentieren, die es ihnen ermöglichen, Fertigprodukte und Einzelkomponenten zu Konditionen einzukaufen, die zwischen zehn und 50 Prozent preisgünstiger als im europäischen oder nordamerikanischen Vergleich sind“, sagte Hans-Joachim Erbel vom Messeveranstalter Reed Exhibitions Deutschland. Im Blick haben die chinesischen Firmen dabei auch kleinere deutsche Unternehmen, die China als Einkaufsmarkt entdecken sollen.

Nach der Textilflut bereiten die Chinesen jetzt eine Offensive mit Haushalts- und Küchengeräten vor. Doch aller Anfang ist schwer, das Produktspektrum dieser „Leistungsschau“ füllt gerade mal ein halbe Messehalle: Hochdruckreiniger aus der Provinz Zhejiang, die in Farb- und Formgebung sehr an Produkte der Firma Kärcher erinnern, Bügeleisen und Haarföhns aus der ostchinesischen Hafenstadt Ningbo, Badezimmerarmaturen und Werkzeug.

Längst nicht jeder Auftritt ist perfekt: Im Präsentationsfernseher der Midea Consumer & Industrial Group aus Foshan in Südchina werden die Eigenschaften ihrer Herde und Staubsauger in chinesischer Sprache angepriesen und nicht alle Designvorstellungen der Chinesen treffen so ganz den europäischen Geschmack. Doch Reed und der chinesische Ko-Veranstalter, der Industrieverband China Chamber of Commerce for Import and Export of Machinery and Electronic Products (CCCME), versprechen sich trotz kleiner Unzulänglichkeiten langfristige Partnerschaften zwischen chinesischen Herstellern und deutschen Händlern.

Immerhin ist China nicht nur verlängerte Werkbank für die Multis und liefert inzwischen je nach Branche bis zu 75 Prozent aller Güter für den Weltmarkt. Gut die Hälfte aller Mikrowellen, Digitalkameras und ein Drittel aller Fernseher stammen aus chinesischen Werken. China stellt auch immer mehr hochtechnische Produkte her und scheut nicht davor zurück, sich den Qualitätsansprüchen des deutschen Marktes zu stellen.

Mit Deutschland erreichte China im vergangenen Jahr einen Warenaustausch von 54 Mrd. Euro, gut 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie wichtig Deutschland als Absatzmarkt für chinesische Firmen geworden ist, macht eine Zahl deutlich: Im vergangenen Jahr stellten mehr als 7 000 chinesische Unternehmen auf deutschen Messen aus. 1992 waren es knapp 300.

Damit ist China nach Italien hier zu Lande zur zweitgrößten Ausstellernation herangewachsen. „Für China ist es eine Herausforderung, sich an Messen in Deutschland zu beteiligen“, sagte Zhang Jiannan, Vizepräsident CCCME, die über 5 000 Mitgliedsunternehmen verfügt.

Mit ihrer ersten Messe in Deutschland drehen die Chinesen den Spieß um: Bisher waren es die Deutschen, die sich in China präsentierten. Vergangenes Jahr richteten deutsche Messegesellschaften fast 50 Ausstellungen in China aus. Und schon vor 30 Jahren präsentierte sich die deutsche Industrie mit einer Leistungsschau in Peking, der „Technogerma“.

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