Es geht auch um Mitarbeiter der Deutschen Bank
Parmalat-Prozess startet mit zwei Anklagen

Im Bilanz-Skandal um den insolventen italienischen Nahrungsmittelkonzern Parmalat ist am Dienstag die erste Anklage erhoben worden. Ein Mailänder Richter entschied nach einer mehrstündigen Anhörung hinter verschlossenen Türen, zwei Angestellten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton den Prozess zu machen. Das Gericht beschloss, das Verfahren am 29. Oktober fortzusetzen.

MAILAND. Der Auftakt der Vorverhandlungen wurde in Mailand von Protesten geprellter Anleger begleitet. Zahlreiche Kleinanleger belagerten das Gerichtsgebäude und verlangten ihre Ersparnisse zurück. Dagegen erschien der Hauptverantwortliche, Firmengründer Calisto Tanzi, nicht zu der Sitzung.

Insgesamt müssen 32 ehemalige Top-Manager und Banker sowie die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche und Grant Thornton sowie Funktionäre der Bank of America mit einer Anklage rechnen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, wurde auch eine Vereinigung der Kleinanleger als Zivilkläger zugelassen. Der Milch-Koloss war Ende 2003 unter einem Schuldenberg von rund 14 Mrd. Euro zusammengebrochen – eine der spektakulärsten Insolvenzen der europäischen Unternehmensgeschichte.

Bei dem gestern eröffneten Verfahren geht es zwar noch nicht um das Delikt des betrügerischen Bankrotts sondern erst um den weniger gravierenden Straftatbestand der Kursmanipulation. Dennoch weisen Beobachter dem Prozess eine wegweisende Funktion zu. Für das Vergehen der Kursmanipulation sieht das italienische Gesetz eine Höchststrafe von fünf Jahren Freiheitsentzug vor; in besonders schwerwiegenden Fällen kann die Haft auf maximal 15 Jahre ausgedehnt werden. Anwälte weisen aber darauf hin, dass wegen dieses Deliktes in Italien bislang niemand je ins Gefängnis musste.

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