Eurocopter
Aschenputtel im Fliegerland

Wer über EADS spricht, denkt an Airbus. Doch der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern hat noch weitere Töchter. Die schönste derzeit ist Eurocopter. Diese zeigt ihrer großen Schwester ein übers andere Mal, wie man Kunden becirct. Auf der Spur einer heimlichen Erfolgsstory.

MARIGNANE. Ein schwarzer Plastikhut von der Größe eines Würfelbechers schützt die Mündung der Bordkanone. Aus dem halbfertigen Cockpit ragen zahllose Kabel und Drähte. Und der Rumpf des Kampfhubschraubers sieht aus, als käme er aus einem Do-it-yourself-Baukasten: Der Bug ist hellgelb, der Hauptrumpf schimmert in einem dunkleren Gelbton, und das Heck leuchtet in kräftigem Gelb. Bei der Gestaltung des Tigers ist offenbar Fingerspitzengefühl angesagt: „Die Teile kommen aus den drei Partnerländern, die an der Produktion beteiligt sind", sagt ein Eurocopter-Mitarbeiter im Stammwerk im südfranzösischen Marignane. „Und jedes Land hat seinen eigenen Gelbton."

Wenige Tage später hat der Kampfhubschrauber dann seine standesgemäße einheitliche Tarnbemalung angelegt. Für seinen Auftritt auf der Luftfahrt-Messe „Le Bourget" vor den Toren Paris, die gestern ihre Pforten öffnete, ist auch der Plastikbecher von der Bordkanone verschwunden. Es gilt schließlich, vor den Armee-Chefs dieser Welt Eindruck zu schinden. Doch bei der Airshow steht mal wieder weniger Eurocopter als vielmehr die größere EADS-Schwester Airbus im Vordergrund. Wie so oft wird sich Airbus auf der Messe eine PR-Schlacht um Flugzeugneubestellungen mit dem US-Rivalen Boeing liefern. Da spielt die kleine Schwester kaum eine Rolle.

Dabei fliegt Eurocopter im EADS-internen Rennen seiner Schwester Airbus längst eine Nasenlänge voraus. Airbus schaute erst letzte Woche wieder bei einem milliardenschweren US-Rüstungsauftrag in die Röhre. Eurocopter hat dagegen gerade erst erneut ein viel versprechendes Projekt an Land ziehen können. Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam einen Transporthubschrauber entwickeln.

Zeit also für einen Besuch bei der kleinen Schwester, dem Aschenputtel - das in Wirklichkeit längst die schönere Tochter ist.

Bei der Mutter mit Namen EADS, dem europäischen Luftfahrtkonsortium, hat sich das immerhin schon herumgesprochen. So wurde Eurocopter-Chef Fabrice Bregier im Sommer 2006 zur Nummer zwei bei Airbus befördert. Er soll nach dem Produktions-Chaos beim Super-Airbus A380 seine Erfahrung einbringen, um die Produktion beim Flugzeugkonstrukteur neu zu organisieren. Bregiers Nachfolger am Steuerknüppel von Eurocopter ist ein Deutscher, Lutz Bertling.

Bertlings Büro am Konzernsitz in Marignane ist klimatisiert, denn in Südfrankreich ist es heiß. Die Fenster sind schalldämmend, denn draußen ist es laut: Wenige Meter von seinem Büro drehen ständig ein paar Hubschrauber ihre Testrunden.

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