Europäischer Flugzeugbauer will Zulieferer aus China und Russland stärker beteiligen
Airbus ködert Ausland mit Aufträgen

Die Flugzeughersteller lernen von den Autobauern. Ein immer größerer Teil der Produktion wird an Zulieferer ausgelagert. Einsparungen sind dabei zweitrangig.

TOULOUSE. Der europäische Flugzeugbauer Airbus will künftig bis zu 70 Prozent seines Fertigungsvolumens an Zulieferer vergeben. „Der größte Teil des Wachstums wird in Zukunft außerhalb von Airbus stattfinden“, sagte Airbus-Vorstandschef Gustav Humbert vor Journalisten in Toulouse.

Über die Fremdvergabe großer Aufträge etwa nach China, Russland oder Indien will das Unternehmen in neue Märkte expandieren, die in Zukunft gute Absatzchancen versprechen. Airbus folgt damit weitgehend der Strategie des Erzrivalen Boeing, der allein 30 Prozent des Produktionswerts seiner Neuentwicklung Boeing 787 nach Japan vergeben hat. Im Gegenzug bestellten die japanischen Fluglinien All Nippon Airways und Japan Airlines als Erstkunden des so genannten „Dreamliner“ 80 neue Langstreckenjets im Volumen von knapp zehn Mrd. Dollar. Zudem übernahm Japan über Staatskredite einen Teil der auf rund sieben Mrd. Dollar geschätzten Entwicklungskosten des von Grund auf neu konzipierten Flugzeugs.

Die Beziehungen zwischen Boeing und der japanischen Luftfahrtindustrie sind so eng, dass der US-Konzern dort 90 Prozent Marktanteil hält, während Airbus trotz intensiven Werbens keinen Fuß auf den Boden bekommt. Die Fluggesellschaften Japans wollen bisher nicht einmal den neuen Riesen-Airbus A380 bestellen, obwohl der Jet mit bis zu 850 Sitzen für Einsätze am chronisch überlasteten Großflughafen Tokio-Narita prädestiniert wäre. „Der Bedarf ist groß und das Interesse klein“, bedauert Airbus-Chef Humbert.

In anderen Ländern will Airbus den Spieß jetzt umdrehen: Fünf Prozent des Produktionswerts der neuen A350 werde man China anbieten, etwa drei Prozent der Luftfahrtindustrie in Russland, betonte Humbert: „Eine Fertigungstiefe zwischen 30 und 33 Prozent reicht aus, wenn wir die Kernkompetenzen in der eigenen Hand halten.“ Derzeit liege der Eigenanteil bie 50 Prozent. Airbus kann den Outsourcing-Prozess schmerzfrei vorantreiben, weil die 55 000 Mitarbeiter des Konzerns vorerst keine Einschnitte befürchten müssen.

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